Bevor die Bedeutung der Schildkröte für eine ganze Region thematisiert wird, sei es dem Geographen gestattet, einen kleinen Exkurs zum Wetter und Klima zu machen.
Wir befinden uns ca. 8 Grad südlich des Äquators im Bereich der Tropen, in denen die Passatwinde vorherrschen. Auf Grund der Verschiebung der Innertropischen Konvergenzzone Richtung Norden in unseren Sommermonaten wehen die Passatwinde hier auf Bali (leicht südlich des Äquators) recht beständig aus südöstlicher Richtung. Das hat im Zusammenspiel mit dem Relief auf Bali deutliche Auswirkungen auf das lokale Klima, was wir heute sehr deutlich spüren durften. Gestartet sind wir heute Morgen bei starker Bewölkung im Süden der Insel. Die Temperaturen lagen bei frischen 23° Celsius. Auf unserem Weg in den Nordwesten nach Pemuteran überquerten wir die durch Vulkane geprägte Gebirgsregion mit Reliefhöhen von über 1000 Metern. Unser Lunch nahmen wir auf einem Gebirgskamm bei für unser wettergewöhntes Empfinden recht frischen Temperaturen ein und unser Blick fiel auf wolkenverhangene Berggipfel.
Auf der Weiterfahrt in nordwestlicher Richtung klarte das Wetter zunehmend auf und auf Meeresniveau schien die Sonne bei wenig Bewölkung.
Als wir die klimatisierten Fahrzeuge verließen schlug uns eine recht trockene Wärme von über 30° Celsius beinahe aus den Sandalen.
Wie konnte das sein, da wir doch nur etwa hundert Kilometer Luftlinie zurückgelegt haben?
Nun kommen alle bisher genannten Faktoren ins Spiel, denn wir haben uns in gleicher Richtung wie der Wind bewegt, nämlich in nordwestlicher Richtung (#Passatwinde). Wenn die Luft auf ihrem Weg in den Nordwesten nun gezwungen wird, über die Gebirge zu strömen, steigt sie unweigerlich auf. Hierbei verliert sie pro 100 Meter Aufstieg 1° Celsius an Temperatur. Dies wird als sogenannte trockenadiabatische Abkühlung bezeichnet. Kühlt sich die Luft beim Aufstieg nun ab, kann sie nicht mehr so viel Wasser in Form von Wasserdampf in sich tragen und der Wasserdampf kondensiert. Es entstehen Wolken, die wir ja auch in den Bergen deutlich wahrnehmen konnten.
Steigt die Luft noch weiter auf, kondensiert immer mehr Wasserdampf, bis die sich bildenden Tropfen so groß und schwer werden, dass sie aus den Wolken fallen – es regnet. Hierbei kühlt sich die Luft auf Grund der Kondensationsenergie dann nur noch um 0,5° Celsius ab (#Anomalie des Wassers). Man bezeichnet dies als feuchtadiabatische Abkühlung. Überqueren die Luftmassen dann die Gebirge, fällt sie auf Grund ihrer immer noch höheren Dichte im Vergleich zur Umgebungsluft wieder in die Tiefe und erwärmt sich dabei analog zur Aufstiegsabkühlung. Da aber bei einer Erwärmung der Luft auch augenblicklich wieder mehr Wasserdampf in der Luft gehalten werden kann, lösen sich die Wolken sofort nach Überschreiten der höchsten Erhebung auf und die Abstiegserwärmung verläuft trockenadiabatisch, also mit 1° Celsius pro 100 Meter.
Durch die relativ lange feuchtadiabatische Abkühlung vor den Bergen und die lange trockenadiabatische Erwärmung hinter dem Gebirge kommt es nun also dazu, dass die Temperaturen auf der Leeseite des Gebirges, also in seiner vom Wind abgewandten Seite, deutlich höher und auch spürbar trockner sind. Dieses Phänomen wird als Fön oder Föhnwind bezeichnet und ist uns aus den Voralpenregionen Bayerns bekannt. Hier auf Bali hat dieses Phänomen zur Folge, dass das Klima im Süden tropisch feucht und im Norden der Insel schon fast mediterran ist. Daher können hier in Pemuteran beispielsweise auch Kartoffeln angebaut werden, wo hingegen im Süden der Insel der Nassreisanbau vorherrscht. Ist das nicht bemerkenswert? So spannend kann Geographie sein!
Aber zurück zum eigentlichen Thema – die Schildkröte:
Im Ökosystem der Meere nehmen gerade die Schildkröten eine besondere Funktion ein. Sie reinigen die Meere vom Aas, halten Seegraswiesen, die „Kinderstuben“ der Jungfische, kurz und befreien Korallenriffe von Algen, die ein Riff stark überwuchern und beinträchtigen können. Auch diese Riffe sind wichtige Rückzugsgebiete für viele Fischarten, um sich vor Jägern zu schützen. Schwindet die Population, so hat dies direkten Einfluss auf andere Bereiche des Ökosystems, bis hin zum Versagen dieses Systems und zu massivem Artensterben.
Aus diesem Grund hat es sich der Australier Chris Brown vor über 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, die Schildkrötenpopulation in seinem Reef-Seen-Resort in Pemuteran zu schützen.
Finden Einheimische Schildkrötengelege am Strand, so bringen sie diese zu Chris, der sie erneut im Sand vergräbt und bis zum Schlüpfen vor Fressfeinden schützt. Nach dem Schlüpfen werden die Schildkröten für zwei Monate in Wasserbecken, die täglich gereinigt werden, gehalten und gefüttert.
Hierdurch erhalten diese eine höhere Überlebenschance als in der freien Natur. Nach zwei Monaten werden die Jungschildkröten dann ausgesetzt. Das geschieht ganz bewusst schon in diesem frühen Stadium, da die Tiere sonst ihren eigen Futterbeschaffungstrieb mehr und mehr verlieren und sich an die Gefangenschaft gewöhnen. Morgen wird wieder ein vor zwei Monaten geschlüpftes Gelege ausgesetzt und wir dürfen dabei sein.
Dass die Schildkröten wichtig für das Ökosystem der Meere sind, haben wir heute lernen dürfen, was sie allerdings mit der Entwicklung einer ganzen Region zu tun haben, darauf müssen wir uns bis morgen gedulden. So viel sei gesagt, sie nimmt hier eine Schlüsselposition ein.
Am heutigen Tag haben wir ganz viel Gemeinschaft erleben dürfen. Schon bei der Ankunft an der Schule, um Teile des Gepäcks an die Gastfamilien zu übergeben, zeigte sich eine unglaubliche Wiedersehensfreude und unsere Schüler wurden zum ersten Mal von ihren Gasteltern überaus freundlich begrüßt. Die Gruppe hat sich in kürzester Zeit zu einer Einheit formiert, was wir beim gemeinsamen Lunch, beim Baden oder Volleyballspielen, beim gemeinsamen Aufarbeiten der gemachten Erfahrungen zur Schildkrötenaufzucht, beim Abendbrot und anschließendem „Sit-In“ bei Spielen und Gesprächen erleben durften. Das macht richtig Freude auf weitere gemeinsame Erlebnisse, von denen es in den nächsten Tagen noch sehr viele geben wird – der Austausch hat nun richtig begonnen!
Neben der weitreichenden Bedeutung der Schildkröte werden wir morgen auch das Korallenriff erschnorcheln und die Mangrovenwälder besuchen. Beides aus ökologischer Sicht äußerst wichtige, aber auch gefährdete Gebiet, die es im besonderen Maße zu schützen gilt.
Bis neulich!




















