Sonntag, 04.09.2022

Rumah Desa - vom Feld auf den Tisch

Heute begrüßte uns wieder einmal ein herrlicher Morgen. Die Stimmung im nächtlichen Matratzenlager war prächtig. Einzig Jula, Cheyenne und Nicole fühlten sich heute nicht ganz so gut und daher traten sie ein Schritt kürzer und ruhten sich viel aus. Die vielen Eindrücke und Erfahrungen wollen auch erst einmal alle verarbeitet werden. Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus!

Wir verließen Rumah Desa, um auf einem nahegelegenen Markt all die Zutaten zu besorgen, die wir für die Zubereitung unseres gemeinsamen Mittagessens benötigten. Die Gruppe wurde in zwei Teile aufgeteilt und im Nu waren alle Zutaten unter Heraushandeln des besten Preises besorgt, denn das Handeln ist hier ein sozial-kommunikativer Prozess, der zu jedem Geschäft dazugehört. Der Besuch eines traditionellen Marktes ist wirklich eine besondere Erfahrung für alle Sinne – so viel zu sehen, so viele Gerüche – wirklich außergewöhnlich.

Zurück in Rumah Desa ging es gleich unter fachkundiger Anleitung an die Zubereitung. Es wurden Beilagen, Sate-Spieße und andere Fleischkreationen gezaubert. Und natürlich durfte der Reis auch nicht fehlen, schließlich durften wir gestern ja beim Anpflanzen selbst aktiv sein. Zum Lunch durften wir dann unser Werk kosten und alle waren sich einig, dass es ausgesprochen gelungen ist.

Leider endetet hiermit auch schon wieder die schöne Zeit in Rumah Desa, wo wir so herzlich empfangen und in die Gemeinschaft integriert wurden. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Besuch in Rumah Desa ein grandioses Finale unseres Aufenthaltes auf Bali dargestellt hat, denn den dort konnten wir sehr viele zuvor schon kennengelernte Besonderheiten des balinesischen Lebens ganz aktiv miterleben. Ein wirklich wunderbarer Abschluss einer wunderbaren Zeit mit einer Gruppe, die unfassbar schnell zueinander gefunden hat und Altersunterschiede Religion oder Herkunft niemals eine Rolle gespielt haben. Kharisma und Elis, unsere balinesischen Kolleginnen, haben mit ihrem Programm eine Choreographie geschaffen, die einfach alle in ihren Bann gezogen hat – perfekt!

Auch wenn die Zeit in Rumah Desa zu Ende ging, so war der Tag noch jung und wir sollten noch einige weitere großartige Besonderheiten Balis kennenlernen. Ein wirklich beeindruckendes Heiligtum suchten wir unweit von Rumah Desa auf. Ein riesiger Eukalyptusbaum, mitten in einem Dorf, als Überbleibsel des ursprünglichen Tropenwaldes, der der wachsenden Bevölkerung und dem damit verbundenen Reisanbau weichen musste. Aus Dankbarkeit für dieses Monument der Natur verehren die Hinduisten diesen Baum. Übermächtig steht er da, die Brettwurzel breit und standfest auf dem Boden gegründet. Diese Wurzelform ist sehr typisch für die Bäume der Tropen, da sie durch den rasanten Umsatz von Biomasse in der Tiefe kaum Nährstoffe finden. Daher wurzeln sie flach und breit.

Nach kurzer Weiterfahrt dann doch ein eher trauriger, aber dennoch sehr denkwürdiger Ort, an dem der gefallen Soldaten des Unabhängigkeitskrieges (1945-1949) gedacht wird. Neben einem großen Denkmal für den Anführer der balinesischen Soldaten wurden im Perjuangan Margarana Monument auch alle Soldaten namentlich auf Gedenksteinen verewigt. Ein wirklich beeindruckender Ort dessen Wirkung tief unter die Haut geht.

Unser letzter Stopp an diesem Tag führte uns nach Jatiluwih zum einem Weltnaturerbe der UNESCO, denn Bali ist nicht nur für seinen Reisanbau bekannt, sondern die Perfektion des Terrassenanbaus und die ausgeklügelte Bewässerungstechnik sind überaus bemerkenswert. Jede Terrasse, jedes Feld kann durch Graben- und Kanalsysteme je nach Bedarf bewässert werden. Das ist Effektiv, nutzt die vorhandenen Ressourcen optimal aus und schont diese dabei, da ein verschwenderischer Umgang vermieden wird. Jeder Reisanbauer hat ein Anrecht auf eine ausreichende Bewässerung, so dass er für seinen Lebensunterhalt und für den seiner Familie sorgen kann. Ein Beispiel für echte Nachhaltigkeit!

Unser Tag endetet in der Dunkelheit und niemand kann eine gewisse Erschöpfung leugnen. Das ist auch aber überhaupt nicht negativ gemeint, da wir in den vergangenen zwei Wochen unglaublich viel erleben, erfahren, begreifen, erfühlen und erschmecken durften. Wir sind angefüllt von der Herzlichkeit der Menschen und zutiefst dankbar für jeden einzelnen Augenblick.

Morgen heißt es ein letztes Mal die Koffer packen, denn wir müssen uns leider schon wieder verabschieden. Gern wären wir noch geblieben und nur die Aussicht auf das baldige Wiedersehen unserer balinesischen Freunde beim Gegenbesuch in Deutschland tröstet uns. Aber bevor wir gehen, werden wir noch mit höchsten Ehren verabschiedet werden, allein der Anblick des riesigen Festzeltes, welches in unserer Abwesenheit über das Wochenende auf dem Schulhof unserer Partnerschule aufgebaut wurde, lässt uns ehrfürchtig staunen. Das wird bestimmt ein großes Fest zu unseren Ehren.

Mögen die Festivitäten beginnen!