Die Nacht war wunderbar, alle konnten den durch den Flug und die Zeitverschiebung doch ein wenig eingeschränkten Schlaf nachholen und so starteten wir den Tag gut erholt und mit reichlich Frühstück.
Unsere Taxis standen bereit und brachten und durch den dichten Verkehr sicher zur Schule. Es mag wundersam klingen, dass eine sichere Ankunft hervorgehoben wird, doch der Verkehr auf Bali ist mit nichts zu vergleichen, was wir jemals in Deutschland erlebt haben. Der erste Eindruck, der bei allen hängen geblieben ist, war, dass es überhaupt keine Verkehrsregeln zu geben scheint. Doch die gibt es natürlich, man hält sich aber einfach nicht daran. Das mag zunächst völlig chaotisch wirken, doch auf wundersame Weise scheint es doch zu klappen und ich denke, dass es daran liegt, dass die Menschen hier „vorsichtig“ fahren. Das ist im engsten Wortsinne zu verstehen, denn man schaut nach vorne. Wir Deutschen lernen in der Fahrschule hingegen die "Rücksicht". Während wir also mit Schulterblicken und derlei Dingen hinter uns beschäftigt sind, damit ja niemand zu Schaden kommt, schauen die Verkehrsteilnehmer hier nach vorn, bremsen, weichen aus, schlängeln sich durch die noch so kleine Lücke. Das zuvor noch als völliges Chaos wahrgenommene Verkehrsgeschehen zeigt dann aber sein Funktionieren. Muss also jemand rückwärts aus einer kleinen Einfahrt, so fährt er einfach. Die anderen schauen ja nach vorne und sehen, was passiert. Wird das Manöver wahrgenommen signalisiert man mit Hupe. „Hey, ich habe dich gesehen, alles wird gut“. Das soll nun aber nicht bedeuten, dass es hier keine Unfälle gibt, die gibt es und sie können auch sehr schwer ausfallen. Doch entscheidend ist, dass die Sichtweise auf den Verkehr und die anderen Verkehrsteilnehmer eine gänzlich andere ist.
So, nun aber genug über den Verkehr, der heutige Tag stand in einem ganz anderen Zeichen. Gastfreundschaft ist das Wort des Tages und die durften wir heute mit allen Sinnen erleben.
Als unsere Fahrzeuge den Schulhof beführen, der zugleich Sport- und Versammlungsplatz ist, wartete bereits die gesamte Schule auf unser Ankommen. Gleich nach dem Austeigen wurden uns Kränze aus Frangipani-Blüten um den Hals gelegt und wir wurden zu unseren Ehrenplätzen geführt. Wir durften ganz vorne in der Mitte platznehmen und die ca. 600 Schülerinnen und Schüler um uns herum. Auch diese Schule hat jüngst einen neuen Schulleiter bekommen und dieser steht hinter dem Austauschprojekt genau wir unserer – einfach große Klasse!
Nach den Begrüßungsreden wurden unsere Augen und Ohren mit Tanz-, Musik- und Gesangseinlagen verwöhnt, die unsere Herzen ganz tief berührten. Gamelan, die Musik der traditionellen indonesischen Instrumente, traditioneller balinesischer Tanz und Gesang, genauso wie moderne Gesänge im Rapp-Stil begleitet von Violine, Klavier und Percussion – unglaublich schön. Aber nicht nur hierdurch erführen wir die überwältigende Gastfreundschaft, die Freude über unser Kommen stand allen ins Gesicht geschrieben und wir fühlten uns regelrecht bejubelt. Dieser Austausch ist für alle etwas ganz Besonderes.
Im Anschluss an die Willkommenszeremonie wurden wir durch die Klassen geführt, die für uns die Vielfalt der indonesischen Kultur in unterschiedlichster Weise präsentierten. Da waren verschiedenste kulinarische Besonderheiten, hier traditionelle Tanzeinlagen und von anderen Teilen Indonesiens wurden uns die typischen Kleidungstücke dargeboten. Dieses Land ist durch eine unglaubliche kulturelle Fülle geprägt, die sich in Kultur, Sprache, Tradition und Religion widerspiegelt. Und dennoch, Indonesien ist die einzige Demokratie in Südostasien und der Leitspruch „Einheit durch Vielfalt“ gibt dieser den passenden Ausdruck, der sich auch in der Pankasila, den Grundpfeilern der Demokratie, wiederfinden lässt.
Auf dem Weg durch die Vielfalt Indonesiens lernten sich die Schülerinnen und Schüler unsere beider Schulen besser kennen, denn sie konnten uns vieles erklären.
Aber wir sollten nicht nur Zuschauer sein – denn das ist ja häufig das, was für den Pauschaltouristen bestimmt ist – wir sollen und wollen teilnehmen. Und das taten wir dann auch. Die Gamelan-Spieler der Willkommenszeremonie räumten ihre Plätze und wir bekamen eine erste Unterrichtseinheit in dieser wirklich besonderen Musik. In den nächsten Tagen werden weitere Einheiten folgen, so dass wir bei der großen Abschiedszeremonie ein eigenes Stück präsentieren werden – sehr aufregend, da die Presse, das Fernsehen und alle lokalen und regionalen Würdenträger aus Kultur und Politik anwesend sein werden.
Aber auch der balinesische Tanz mit seinen wirklich besonderen Bewegungen wurde uns nähergebracht. Jede Bewegung des Körpers, der Beine, der Finger, ja sogar der Augen folgt einer genauen Choreographie und verlangte uns höchste Konzentration ab.
Nach dem Lunch ging es weiter. Eine wirklich tolle Verknüpfung aus Geographie und künstlerischer Gestaltung, an deren Ende ein tolles Souvenir entstehen wird. Und das ist ganz einfach. Zeichne eine Faustskizze von Bali auf ein Frühstücksbrett und gestalte das Relief der Insel mit aufgeweichten und mit mehl- und leimversetzten Zeitungsschnipseln nach. Nach dem Trocken bemalt man das entstandene Werk mit den Farben für die jeweilige Reliefhöhe und fertig ist ein dreidimensionales Abbild der Insel.
Der Schultag endete somit und wir konnten in unserem Guesthouse verschnaufen, bevor wir dann den Sonnenuntergang beim Baden, Erzählen und Genießen am Strand von Canggu gemeinsam mit unseren balinesischen Freunden erleben durften. Alle, die das erlebt haben, werden in Zukunft hohe Ansprüche an einen Sonnenuntergang stellen dürfen – und das vollkommen zurecht.
Ein unglaublicher Tag ist zu Ende gegangen und jeder von uns ist erfüllt von der sagenhaften Gastfreundschaft, die uns hier jede Sekunde begegnet.
Morgen packen wir unsere Sachen und ziehen vorerst weiter zu Chris Brown und seinem Reef-Seen-Resort in Pemuteran, aber davon morgen mehr.
Selamat malam! – gute Nacht!
















