Und um die Bildung ging es am heutigen Tage in der Tat. Bildung ist ein Prozess, der sich vom frühesten Kindesalter bis zum Ende der Schulzeit oder des Studiums erstreckt. Bei manchen Menschen dauert dieser Prozess sogar ein Leben lang. Man spricht dann wohl vom lebenslangen Lernen.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der unterschiedlichsten Bildungsformen, die sich unter dem Dach der christlichen Harapan-Stiftung befinden. Diese Stiftung untersteht direkt dem zuständigen Bischof und hat auf Bali gleich mehrere Schulstandorte privater/christlicher Trägerschaft. Eine dieser Schulen ist unsere Austauschschule in Untal-Untal im Distrikt Badung. Diese Schule ist eine Junior-Highschool und beschult etwa 600 Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse.
Heute hatten wir die Gelegenheit auch weitere Schulen der Harapan-Stiftung zu besuchen. Eine dieser Schulen ist eine Berufsschule und befindet sich unweit unserer Partnerschule. Auf Grund der coronabedingten Zwangspause für unseren Austausch gehen bereits einige unserer Partnerschüler, die vor zwei Jahren für das Projekt ausgewählt wurden, auf diese Schule.
Bei unserer Ankunft in der Berufsschule wurden wir mit allen Ehren empfangen. Die Schulleitung stand Spalier, jeder bekam eine Frangipaniblüte in das Haar gesteckt und die balinesischen Tänzerinnen tanzten für uns, was ein wirklich sehr großes Geschenk ist, denn allein das Zurechtmachen der Haare und der Schminke nimmt mehrere Stunden in Anspruch.
Das Berufsbildungssystem hier auf Bali unterscheidet sich dahingehend, dass die Schülerinnen und Schüler in der Schule in allen praktischen Dingen ausgebildet werden. So finden sich in der Schule neben gut ausgestatteten Computerräumen für IT- und Medienberufe auch mehrere Küchen, eine Wäscherei, mehrere Hotelzimmer samt Lobby und Rezeption und natürlich ein Speisesaal. Die Schülerinnen und Schüler lernen also ihr Handwerkszeug zunächst „von der Pike auf“ direkt in der Schule, bevor sie in einen echten Betrieb, z. B. eine Wäscherei oder einen Hotel- oder Gastronomiebetrieb, gehen. Das ist ein deutlicher Unterschied zu unserem deutschen dualen Ausbildungssystem, in dem der theoretische Teil in der Schule stattfindet und die Praxis von Beginn an in einem Betrieb.
Wir sind unglaublich gastfreundlich aufgenommen worden. Die Führung durch die Schule endete in einem vollausgestatteten Übungsrestaurant, in dem uns die angehenden Köche ihre Speisen kredenzten. Nach dem Speisen sind wir zum Tanz eingeladen und reichlich beschenkt worden.
Unsere nächste Station war die Schule in Denpasar, in der vom Kindergarten bis zur Senior-Highschool und Berufsschule etwa 5000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Mit ihren wunderschön bewachsenen Fassaden und einer eigenen Kirche macht sie wirklich einen großartigen Eindruck. Auch auf diese Schule gehen bereits einige unserer Austauschschüler, die uns dann auch in ihren Klassen vorgestellt haben.
An diesem Standort befindet sich auch der Sitz der Harapan-Stiftung, die unser Projekt finanziell stark unterstützt und bereit ist, dieses Austauschprojekt für die nächsten Jahre festzuschreiben. Die notwendigen Verträge werden wir am Montag im feierlichen Rahmen unserer großen Verabschiedungszeremonie unterzeichnen – einfach grandios!
Auch bei diesem Besuch wurden uns alle Ehren zu Teil und es ergab sich die Gelegenheit, dem Vorsitzenden der Harapan-Stiftung unseren großen Dank auszusprechen und ein Gastgeschenk zu überreichen.
Ich habe mich heute sehr darüber gefreut, viele wunderbare Menschen und Kollegen kennenzulernen, die ihren Beruf mindestens genauso lieben wie wir. Ganz besonders habe ich mich über das Wiedersehen mit Abed gefreut, der vor drei Jahren bei unserem ersten Austausch teilgenommen hat und mittlerweile Vorsitzender der Schülerschaft an dieser Schule ist – so schön!
Nach unseren Schulexkursionen haben wir den Tag beim Souvenirs-Schoppen ausklingen lassen. Was dabei alles eingekauft wurde, bleibt natürlich noch ein Geheimnis. Aber so viel sei gesagt, dieser Laden übertrifft unsere Vorstellungen. Eine Verkaufsfläche wie bei Ikea und es gibt dort nichts, was es nicht gibt, und garantiert von Bali oder aus Indonesien.
Morgen verlegen wir ein letztes Mal unseren Aufenthaltsort für eine Nacht mitten in das Herz Balis, in das traditionelle Dorf Rumah Desa, wo wir das traditionelle balinesische Leben kennenlernen werden. Bei dem Gedanken daran, dass es unsere letzte große Aktivität ist, ist heute bereits bei uns allen Wehmut aufgekommen, denn wir fühlen uns wirklich an- und aufgenommen als Teile unserer balinesischen Gastfamilien. Vielen Dank für diese gelebte Nächstenliebe!
Man sieht, äh, liest sich!

























