Dienstag, 23.08.2022

Auf geht's

Montag, 22. August 2022. Am Flughafen Hamburg trudeln die ersten Teilnehmer des Austauschprojektes zwischen der SMPK2 Harapan Junior Highschool und dem Gymnasium Brunsbüttel ein.

Ziemlich genau zwei Jahre zuvor haben die Auswahltests für die Bewerber stattgefunden unter damals noch nicht abzuschätzenden Umständen. Die Schule hatte nach den Sommerferien gerade wieder ihre Tore geöffnet nach dem ersten Corona-Lockdown und alle am Austauschprojekt Beteiligten stand die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Wann wird ein Austausch mit Bali wieder möglich sein?  Welche Bedingungen werden herrschen? Wie lange werden die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus andauern? Fragen, auf die seinerzeit niemand eine Antwort wusste, und dennoch waren sich alle Verantwortlichen einig – Das Austauschprojekt muss in die zweite Runde gehen, ein „Abwarten“ und „Aussitzen“ würde jegliche Ambition zerstören.

So fanden unter besonderen Coronaschutzmaßnahmen die Auswahltests für die Teilnehmer am Austausch statt und am Ende des Tages war eine Gruppe gefunden. Die Vorbereitungen begannen: erste Annäherungen an die kulturellen und ökologischen Besonderheiten, Kontaktaufnahme mit den Austauschschülern auf balinesischer Seite, erste Reisevorbereitungen. Dass der Prozess der Vorbereitungen sich über zwei Jahre hinziehen sollte, hätte damals niemand vermutet.

Doch Schluss mit der Vergangenheit, Schluss mit der Ungewissheit, Schluss mit den Zweifeln. Die Gruppe erscheint vollzählig am Flughafen und spätestens mit dem Abheben der Maschine sind schlagartig alle Bedenken der letzten Tage verflogen – niemand fällt wegen einer Erkrankung aus, alle Dokumente sind vollständig, die Stimmung ist prächtig.

Ok, einzig Frau Groß hat sich dann doch bei der Anzahl der aufzugebenden Gepäckstücke verzählt und so muss dann doch ein wenig umgepackt werden. Alles kein Problem, wer ein solches Unterfangen auf sich nimmt, ist lösungsorientiert.

Der Flug verläuft ausgesprochen ruhig und nach einem kurzen Zwischenstopp in Dubai finden alle etwas Schlaf, der lediglich durch die zahlreichen Essensreichungen unterbrochen wird.

Der Weg ist nun nicht mehr weit und wir überqueren gerade den Äquator und in knapp zwei Stunden werden wir in Denpasar landen. Es ist bereits der 23.08.20222. Die Vorfreude, aber auch die Aufregung steigt. Endlich ein Wiedersehen mit Freunden bzw. das Kennenlernen von Angesicht zu Angesicht, nachdem bisher nur Videokonferenzen oder Chats möglich waren. Endlich das Erleben dürfen, auf das man so lange warten musste. Anfassen, Begreifen, Erfahren, Begehen – das geht nicht digital, das geht nur in der Realität! Das Programm, welches unsere Austauschpartner vorbereitet haben ist überwältigend und wir freuen uns, uns aus der Enge des Fliegers befreien zu können und nun endlich mit allen Sinnen das aufzunehmen, auf das wir uns schon so lange freuen.

Zwei Stunden später finden wir uns in der großen Empfangshalle des Flughafens in Denpasar wieder.

Der erste Checkpoint: sind die Corona-Impfungen vollständig. Zweiter Checkpoint: das Visum muss bezahlt werden. Auf zum dritten Checkpoint: die Pässe erhalten den Visumsstempel. Vierter Checkpoint: endlich finden wir unsere Koffer. Fünfter Checkpoint: die Zolldeklaration, die wir bereits in Hamburg per App ausfüllen mussten, wird kontrolliert. Sechster Checkpoint (warum eigentlich nur für mich?) Der Koffer wird nochmals mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Siebter Checkpoint …: nein, nun ist endlich alles kontrolliert, bezahlt und abgefertigt. Wir kommen nach draußen und werden von Kharisma und Elis, unseren beiden balinesischen Austauschlehrerinnen empfangen. Auch Dedit, der Mann von Kharisma ist da und hält ein großes Empfangsbanner in die Höhe. Ein Bus steht bereit und werden direkt in ein fantastisches, typisch balinesisches Lokal zum Abendessen gebracht. Keine Touristen finden sich dort, hier essen überwiegend die Einheimischen. Reis mit einer Fülle von äußerst schmackhaften, aber auch sehr scharfen Beilagen lässt uns schlagartig angekommen fühlen (Fisch, Garnelen, Hühnchen, Gemüse – alles im Wok zubereitet: einfach spitze!).

Anschließend geht es in unsere Unterkunft, in der wir die ersten beiden Nächte verbringen werden, bevor wir in den Nordwesten der Insel fahren, um dort die Korallenriffe und Mangrovenwälder kennenzulernen. Im Anschluss an diesen dreitägigen Ausflug geht es dann in die Familien.

Die Stimmung ist exzellent, alle freuen sich auf die tollen Erlebnisse der kommenden beiden Wochen, für die wir unseren Gastgebern, Professor Dr. Claus Nowak und Christa Limmer von der Professor Nowak-Stiftung und unserer Schule, dem Gymnasium Brunsbüttel, das so einen großen Austausch auch organisatorisch Stemmen muss, überaus dankbar sind.

Morgen geht es weiter, der Besuch unserer Partnerschule steht auf dem Programm, welche eine große Willkommenszeremonie für uns geplant hat.

Gute Nacht!

 

Mittwoch, 24.08.2022

Gastfreundschaft

Die Nacht war wunderbar, alle konnten den durch den Flug und die Zeitverschiebung doch ein wenig eingeschränkten Schlaf nachholen und so starteten wir den Tag gut erholt und mit reichlich Frühstück.

Unsere Taxis standen bereit und brachten und durch den dichten Verkehr sicher zur Schule. Es mag wundersam klingen, dass eine sichere Ankunft hervorgehoben wird, doch der Verkehr auf Bali ist mit nichts zu vergleichen, was wir jemals in Deutschland erlebt haben. Der erste Eindruck, der bei allen hängen geblieben ist, war, dass es überhaupt keine Verkehrsregeln zu geben scheint. Doch die gibt es natürlich, man hält sich aber einfach nicht daran. Das mag zunächst völlig chaotisch wirken, doch auf wundersame Weise scheint es doch zu klappen und ich denke, dass es daran liegt, dass die Menschen hier „vorsichtig“ fahren. Das ist im engsten Wortsinne zu verstehen, denn man schaut nach vorne. Wir Deutschen lernen in der Fahrschule hingegen die "Rücksicht". Während wir also mit Schulterblicken und derlei Dingen hinter uns beschäftigt sind, damit ja niemand zu Schaden kommt, schauen die Verkehrsteilnehmer hier nach vorn, bremsen, weichen aus, schlängeln sich durch die noch so kleine Lücke. Das zuvor noch als völliges Chaos wahrgenommene Verkehrsgeschehen zeigt dann aber sein Funktionieren. Muss also jemand rückwärts aus einer kleinen Einfahrt, so fährt er einfach. Die anderen schauen ja nach vorne und sehen, was passiert. Wird das Manöver wahrgenommen signalisiert man mit Hupe. „Hey, ich habe dich gesehen, alles wird gut“. Das soll nun aber nicht bedeuten, dass es hier keine Unfälle gibt, die gibt es und sie können auch sehr schwer ausfallen. Doch entscheidend ist, dass die Sichtweise auf den Verkehr und die anderen Verkehrsteilnehmer eine gänzlich andere ist.

So, nun aber genug über den Verkehr, der heutige Tag stand in einem ganz anderen Zeichen. Gastfreundschaft ist das Wort des Tages und die durften wir heute mit allen Sinnen erleben.

Als unsere Fahrzeuge den Schulhof beführen, der zugleich Sport- und Versammlungsplatz ist, wartete bereits die gesamte Schule auf unser Ankommen. Gleich nach dem Austeigen wurden uns Kränze aus Frangipani-Blüten um den Hals gelegt und wir wurden zu unseren Ehrenplätzen geführt. Wir durften ganz vorne in der Mitte platznehmen und die ca. 600 Schülerinnen und Schüler um uns herum. Auch diese Schule hat jüngst einen neuen Schulleiter bekommen und dieser steht hinter dem Austauschprojekt genau wir unserer – einfach große Klasse!

Nach den Begrüßungsreden wurden unsere Augen und Ohren mit Tanz-, Musik- und Gesangseinlagen verwöhnt, die unsere Herzen ganz tief berührten. Gamelan, die Musik der traditionellen indonesischen Instrumente, traditioneller balinesischer Tanz und Gesang, genauso wie moderne Gesänge im Rapp-Stil begleitet von Violine, Klavier und Percussion – unglaublich schön. Aber nicht nur hierdurch erführen wir die überwältigende Gastfreundschaft, die Freude über unser Kommen stand allen ins Gesicht geschrieben und wir fühlten uns regelrecht bejubelt. Dieser Austausch ist für alle etwas ganz Besonderes.

Im Anschluss an die Willkommenszeremonie wurden wir durch die Klassen geführt, die für uns die Vielfalt der indonesischen Kultur in unterschiedlichster Weise präsentierten. Da waren verschiedenste kulinarische Besonderheiten, hier traditionelle Tanzeinlagen und von anderen Teilen Indonesiens wurden uns die typischen Kleidungstücke dargeboten. Dieses Land ist durch eine unglaubliche kulturelle Fülle geprägt, die sich in Kultur, Sprache, Tradition und Religion widerspiegelt. Und dennoch, Indonesien ist die einzige Demokratie in Südostasien und der Leitspruch „Einheit durch Vielfalt“ gibt dieser den passenden Ausdruck, der sich auch in der Pankasila, den Grundpfeilern der Demokratie, wiederfinden lässt.

Auf dem Weg durch die Vielfalt Indonesiens lernten sich die Schülerinnen und Schüler unsere beider Schulen besser kennen, denn sie konnten uns vieles erklären.

Aber wir sollten nicht nur Zuschauer sein – denn das ist ja häufig das, was für den Pauschaltouristen bestimmt ist – wir sollen und wollen teilnehmen. Und das taten wir dann auch. Die Gamelan-Spieler der Willkommenszeremonie räumten ihre Plätze und wir bekamen eine erste Unterrichtseinheit in dieser wirklich besonderen Musik. In den nächsten Tagen werden weitere Einheiten folgen, so dass wir bei der großen Abschiedszeremonie ein eigenes Stück präsentieren werden – sehr aufregend, da die Presse, das Fernsehen und alle lokalen und regionalen Würdenträger aus Kultur und Politik anwesend sein werden.

Aber auch der balinesische Tanz mit seinen wirklich besonderen Bewegungen wurde uns nähergebracht. Jede Bewegung des Körpers, der Beine, der Finger, ja sogar der Augen folgt einer genauen Choreographie und verlangte uns höchste Konzentration ab.

Nach dem Lunch ging es weiter. Eine wirklich tolle Verknüpfung aus Geographie und künstlerischer Gestaltung, an deren Ende ein tolles Souvenir entstehen wird. Und das ist ganz einfach. Zeichne eine Faustskizze von Bali auf ein Frühstücksbrett und gestalte das Relief der Insel mit aufgeweichten und mit mehl- und leimversetzten Zeitungsschnipseln nach. Nach dem Trocken bemalt man das entstandene Werk mit den Farben für die jeweilige Reliefhöhe und fertig ist ein dreidimensionales Abbild der Insel.

Der Schultag endete somit und wir konnten in unserem Guesthouse verschnaufen, bevor wir dann den Sonnenuntergang beim Baden, Erzählen und Genießen am Strand von Canggu gemeinsam mit unseren balinesischen Freunden erleben durften. Alle, die das erlebt haben, werden in Zukunft hohe Ansprüche an einen Sonnenuntergang stellen dürfen – und das vollkommen zurecht.

Ein unglaublicher Tag ist zu Ende gegangen und jeder von uns ist erfüllt von der sagenhaften Gastfreundschaft, die uns hier jede Sekunde begegnet.

Morgen packen wir unsere Sachen und ziehen vorerst weiter zu Chris Brown und seinem Reef-Seen-Resort in Pemuteran, aber davon morgen mehr.

Selamat malam! – gute Nacht!

Donnerstag, 25.08.2022

Turtle Hatchery - die Bedeutung der Schildkröte (Teil 1)

Bevor die Bedeutung der Schildkröte für eine ganze Region thematisiert wird, sei es dem Geographen gestattet, einen kleinen Exkurs zum Wetter und Klima zu machen.

Wir befinden uns ca. 8 Grad südlich des Äquators im Bereich der Tropen, in denen die Passatwinde vorherrschen. Auf Grund der Verschiebung der Innertropischen Konvergenzzone Richtung Norden in unseren Sommermonaten wehen die Passatwinde hier auf Bali (leicht südlich des Äquators) recht beständig aus südöstlicher Richtung. Das hat im Zusammenspiel mit dem Relief auf Bali deutliche Auswirkungen auf das lokale Klima, was wir heute sehr deutlich spüren durften. Gestartet sind wir heute Morgen bei starker Bewölkung im Süden der Insel. Die Temperaturen lagen bei frischen 23° Celsius. Auf unserem Weg in den Nordwesten nach Pemuteran überquerten wir die durch Vulkane geprägte Gebirgsregion mit Reliefhöhen von über 1000 Metern. Unser Lunch nahmen wir auf einem Gebirgskamm bei für unser wettergewöhntes Empfinden recht frischen Temperaturen ein und unser Blick fiel auf wolkenverhangene Berggipfel.

Auf der Weiterfahrt in nordwestlicher Richtung klarte das Wetter zunehmend auf und auf Meeresniveau schien die Sonne bei wenig Bewölkung.

Als wir die klimatisierten Fahrzeuge verließen schlug uns eine recht trockene Wärme von über 30° Celsius beinahe aus den Sandalen.

Wie konnte das sein, da wir doch nur etwa hundert Kilometer Luftlinie zurückgelegt haben?

Nun kommen alle bisher genannten Faktoren ins Spiel, denn wir haben uns in gleicher Richtung wie der Wind bewegt, nämlich in nordwestlicher Richtung (#Passatwinde). Wenn die Luft auf ihrem Weg in den Nordwesten nun gezwungen wird, über die Gebirge zu strömen, steigt sie unweigerlich auf. Hierbei verliert sie pro 100 Meter Aufstieg 1° Celsius an Temperatur. Dies wird als sogenannte trockenadiabatische Abkühlung bezeichnet. Kühlt sich die Luft beim Aufstieg nun ab, kann sie nicht mehr so viel Wasser in Form von Wasserdampf in sich tragen und der Wasserdampf kondensiert. Es entstehen Wolken, die wir ja auch in den Bergen deutlich wahrnehmen konnten.

Steigt die Luft noch weiter auf, kondensiert immer mehr Wasserdampf, bis die sich bildenden Tropfen so groß und schwer werden, dass sie aus den Wolken fallen – es regnet. Hierbei kühlt sich die Luft auf Grund der Kondensationsenergie dann nur noch um 0,5° Celsius ab (#Anomalie des Wassers). Man bezeichnet dies als feuchtadiabatische Abkühlung. Überqueren die Luftmassen dann die Gebirge, fällt sie auf Grund ihrer immer noch höheren Dichte im Vergleich zur Umgebungsluft wieder in die Tiefe und erwärmt sich dabei analog zur Aufstiegsabkühlung. Da aber bei einer Erwärmung der Luft auch augenblicklich wieder mehr Wasserdampf in der Luft gehalten werden kann, lösen sich die Wolken sofort nach Überschreiten der höchsten Erhebung auf und die Abstiegserwärmung verläuft trockenadiabatisch, also mit 1° Celsius pro 100 Meter.

Durch die relativ lange feuchtadiabatische Abkühlung vor den Bergen und die lange trockenadiabatische Erwärmung hinter dem Gebirge kommt es nun also dazu, dass die Temperaturen auf der Leeseite des Gebirges, also in seiner vom Wind abgewandten Seite, deutlich höher und auch spürbar trockner sind. Dieses Phänomen wird als Fön oder Föhnwind bezeichnet und ist uns aus den Voralpenregionen Bayerns bekannt. Hier auf Bali hat dieses Phänomen zur Folge, dass das Klima im Süden tropisch feucht und im Norden der Insel schon fast mediterran ist. Daher können hier in Pemuteran beispielsweise auch Kartoffeln angebaut werden, wo hingegen im Süden der Insel der Nassreisanbau vorherrscht. Ist das nicht bemerkenswert? So spannend kann Geographie sein!

 

Aber zurück zum eigentlichen Thema – die Schildkröte:

Im Ökosystem der Meere nehmen gerade die Schildkröten eine besondere Funktion ein. Sie reinigen die Meere vom Aas, halten Seegraswiesen, die „Kinderstuben“ der Jungfische, kurz und befreien Korallenriffe von Algen, die ein Riff stark überwuchern und beinträchtigen können. Auch diese Riffe sind wichtige Rückzugsgebiete für viele Fischarten, um sich vor Jägern zu schützen. Schwindet die Population, so hat dies direkten Einfluss auf andere Bereiche des Ökosystems, bis hin zum Versagen dieses Systems und zu massivem Artensterben.

Aus diesem Grund hat es sich der Australier Chris Brown vor über 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, die Schildkrötenpopulation in seinem Reef-Seen-Resort in Pemuteran zu schützen.

Finden Einheimische Schildkrötengelege am Strand, so bringen sie diese zu Chris, der sie erneut im Sand vergräbt und bis zum Schlüpfen vor Fressfeinden schützt. Nach dem Schlüpfen werden die Schildkröten für zwei Monate in Wasserbecken, die täglich gereinigt werden, gehalten und gefüttert.

Hierdurch erhalten diese eine höhere Überlebenschance als in der freien Natur. Nach zwei Monaten werden die Jungschildkröten dann ausgesetzt. Das geschieht ganz bewusst schon in diesem frühen Stadium, da die Tiere sonst ihren eigen Futterbeschaffungstrieb mehr und mehr verlieren und sich an die Gefangenschaft gewöhnen. Morgen wird wieder ein vor zwei Monaten geschlüpftes Gelege ausgesetzt und wir dürfen dabei sein.

Dass die Schildkröten wichtig für das Ökosystem der Meere sind, haben wir heute lernen dürfen, was sie allerdings mit der Entwicklung einer ganzen Region zu tun haben, darauf müssen wir uns bis morgen gedulden. So viel sei gesagt, sie nimmt hier eine Schlüsselposition ein.

Am heutigen Tag haben wir ganz viel Gemeinschaft erleben dürfen. Schon bei der Ankunft an der Schule, um Teile des Gepäcks an die Gastfamilien zu übergeben, zeigte sich eine unglaubliche Wiedersehensfreude und unsere Schüler wurden zum ersten Mal von ihren Gasteltern überaus freundlich begrüßt. Die Gruppe hat sich in kürzester Zeit zu einer Einheit formiert, was wir beim gemeinsamen Lunch, beim Baden oder Volleyballspielen, beim gemeinsamen Aufarbeiten der gemachten Erfahrungen zur Schildkrötenaufzucht, beim Abendbrot und anschließendem „Sit-In“ bei Spielen und Gesprächen erleben durften. Das macht richtig Freude auf weitere gemeinsame Erlebnisse, von denen es in den nächsten Tagen noch sehr viele geben wird – der Austausch hat nun richtig begonnen!

Neben der weitreichenden Bedeutung der Schildkröte werden wir morgen auch das Korallenriff erschnorcheln und die Mangrovenwälder besuchen. Beides aus ökologischer Sicht äußerst wichtige, aber auch gefährdete Gebiet, die es im besonderen Maße zu schützen gilt.

Bis neulich!

Freitag, 26.08.2022

Turtle Hatchery – die Bedeutung der Schildkröte (Teil2)

Wie kann eine Schildkröte nun die Schlüsselfigur einer ganzen Region sein? Hiervon berichtete Chris Brown heute morgen beim Unterricht unter Palmen.

Als Chris Brown vor über 30 Jahren aus Australien als Tourist nach Pemuteran kam, fand er eine Region vor, die von äußerster Armut geprägt war. Die Armut begründete sich in einer starken Übernutzung der natürlichen Ressourcen an diesem Ort. Nachdem die Viehhaltung durch knapper werdende Fütterungsmöglichkeiten den Nahrungsmittelbedarf nicht mehr decken konnte, wurde verstärkt Fischerei betrieben (diese Region ist ja wie schon beschrieben durch größere Trockenheit geprägt, so dass hier kein Reis angebaut werden kann #Wetter und Klima). Aus der Not heraus fischte man zu der Zeit mit Dynamit, was zur Folge hatte, dass das Meer in diesem Gebiet fast vollkommen leergefischt war, da mit der Dynamitfischerei nicht nur alle Fische in einem Bereich getötet werden, also auch der Nachwuchs, sondern auch die Laich- und Aufwachsgebiete – in diesem Fall das vor der Küste gelegene Korallenriff – zerstört wurden. Auf der Suche nach einer weiteren Nahrungsmöglichkeit fingen die Menschen an, die am Strand abgelegten Eier der Schildköten zu sammeln und auf den Märkten zu verkaufen oder diese selbst zu verspeisen. Auch das Fleisch der Schildkröten wurde für den Verzehr genutzt. Genau in dieser Zeit kam Chris nach Pemuteran und erkannte das schwerwiegende Problem. Die Schildkrötenpopulation war nahezu ausgerottet und die Menschen litten an starker Armut. Es war ein Teufelskreis entstanden, der nur schwer zu durchbrechen war. Chris gelang dieses jedoch, indem er den Fischern die Schildkröteneier zu einem höheren Preis abkaufte, als sie auf dem Markt erzielen könnten. Er kümmerte sich darum, dass die Schildkröten schlüpfen konnten und setzt diese dann wieder im Meer aus, um die Population zu stabilisieren. Um diese Arbeit finanzieren zu können, nahm er zunächst seine eigenen finanziellen Mittel, die jedoch bei weitem nicht ausreichen sollten. Er war auf andere Geldgeber angewiesen. Er gründete das Reef-Seen-Resort ­– ein Tauchhotspot an einem bis dato noch nicht bekannten Korallenriff – und begeisterte Taucher aber auch andere Touristen kamen in diese Region. Er bot ihnen an, beim Aussetzen der jungen Tiere eine Art Patenschaft zu übernehmen. Diese Patenschaft kann gegen einen kleinen Obolus übernommen werden. Weiterhin fand er viele Menschen auf der ganzen Welt, die sein Projekt finanziell unterstütz haben, so dass die Schildkrötenaufzucht finanziert werden kann. Welchen Effekt hatte dieses Vorgehen nun?

Chris erkannte schnell die Symptome des Problems, doch die Ursache lag in der großen Armut in dieser Region. Indem er den Fischern die Schildkröten abkaufte, verdienten diese etwas mehr Geld, so dass sie sich andere Lebensmittel leisten konnten. Sie schicken ihre Kinder länger zur Schule, so dass die Kinder einen besseren Beruf als bis zu diesem Zeitpunkt erlangen konnten. Hierfür verließen auch einige die Region, so dass sich die Lebensmittelversorgung weiter entspannte und weniger Menschen auf den Fischfang angewiesen waren. Durch die wieder größere Schildkrötenpopulation konnten sich auch die Korallenriffe erholen, die ja wichtige Rückzugsorte gerade für die Jungfische darstellen. Die Seegraswiesen wurden wieder durch die Schildkröten beweidet, in denen die Fische dann wieder ausreichend Schutz und Plankton finden konnten, auch der Seestern, der mit Vorliebe an den Korallenriffen haftet und die Korallen frisst, wurde zurückgedrängt. Das Ökosystem gelangte allmählich wieder in ein Gleichgewicht, so dass auch wieder mehr Fisch gefangen werden konnte.

Ein weiterer Effekt war ein beginnender sanfter Tourismus, in dem viele zuvor arme Menschen neue Tätigkeiten ausüben konnten, die auch besser bezahlt werden konnten. Die Notwendigkeit, sich vom Fisch zu ernähren sank, da auch andere Lebensmittel erschwinglich wurden. Die Fischer erkannten als erstes die positiven Entwicklungen und unterstützen Chris dabei, die Schildkröteneier auszubrüten, indem sie ihm die Fundstellen nannten, und die Eier vorsichtig geborgen werden konnten. Diese dürfen nämlich nicht – im Gegensatz zu Hühnereiern – verdreht werden. Auch verzichteten die Fischer auf die Dynamitfischerei, da die Netze nun wieder gefüllt waren.

Der Tourismus entwickelte sich weiter und mehr und mehr Touristen kamen, die kein Interesse mehr an den überlaufenen Pauschaltourismuszentren wie Kuta oder Ubut hatten. Es ist aber dennoch gelungen, hier in Pemuteran eine sanfte Form des Tourismus zu etablieren, in dem gerade die Einheimischen Arbeit finden. Durch die Bekämpfung der Armut konnte dann auch allmählich die Infrastruktur verbessert werden, so dass durch den Bau von Schulen, einem verbesserten Wasser und Abwassermanagement und den Straßenbau auch die sozialen Bereiche verbessert werden konnten. Diese generierten ganz nebenbei auch wieder neue Arbeitsplätze.

Der aufmerksame Leser wird erkannt haben, wie weit verzweigt die Kausalitäten und wie komplex die Zusammenhänge sind. Entscheidend ist aber, so sagt es Chris, dass wir unsere Augen, unsere Ohren und unseren Geist öffnen, um die Ursachen der Problemen zu erkennen, denn dann kann auch ein kleines Lebewesen wie eine vor zwei Monaten geschlüpfte Schildkröte Großes bewirken.

Mit all diesen Informationen in unseren Köpfen haben wir dann auch heute mit großer Freude die jungen Schildkröten ins Meer gebracht und somit einen kleinen Anteil am großen Erfolg dieser Region leisten dürfen – dafür sind wir sehr dankbar.

Heute waren wir zudem sehr viel im Wasser, denn wir durften alle die ökologischen Zusammenhänge hautnah beim Erschnorcheln des Riffes betrachten. Dank Cheyennes GoPro sind dabei auch atemberaubende Bilder entstanden – vielen Dank!

Eine weitere Besonderheit stellt auch das von Chris begonnene Reef-Gardening dar. Hierbei wurden Metallkonstruktionen im Meer versenkt, an denen neue Korallen angeheftet werden können. Um das Wachstum der Korallen ein wenig zu beschleunigen, wird an die Metallkonstruktionen eine geringe Spannung, erzeugt von Solar- und Windkraft, angelegt. Klingt komisch, ist aber so. Und dass es ganz fantastisch funktioniert, kann ich nur bestätigen, denn im Vergleich zum letzten Austausch vor über drei Jahren ist ein deutliches Wachstum zu beobachten.

Am späten Nachmittag fuhr die gesamte Austauschgruppe in einen nahegelegenen Nationalpark, um auch dort ein Korallenriff beim einsetzenden Sonnenuntergang schnorchelnd zu erkunden – einfach großartig.

Dieses Riff liegt im Bereich der Mangrovenwälder, die durch den Nationalpark geschützt sind. Die Mangroven leisten nämlich neben ihrer wichtigen ökologischen Funktion als Schutzraum für unzählige Tierarten auch einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz, indem sie die Energie der Wellen aufzunehmen im Stande sind – ganz ähnlich also unserem Wattenmeer. Hiervon berichteten Riyu und Ardine nach dem Abendessen, die heute das Expertenteam des Tages waren. Das haben die beiden ganz toll gemacht!

Morgen geht es zurück über die Vulkangebirge nach Canggu bzw. Untal-Untal, wo unsere Schülerinnen und Schüler die erste Nacht in den Familien verbringen werden. Wir erinnern uns, dort ist es dann wieder tropisch feucht.      

Der Tag war angefüllt von unvergesslichen Momenten und es ist nun sehr spät. Dennoch freue ich mich, auch morgen wieder von unseren Erlebnissen zu berichten – bis dann!

Samstag, 27.08.2022

Happy Birthday, Mrs. Babsi

Ein Geburtstag auf Klassenfahrt mag ja schon etwas Besonderes sein, aber 13000 km entfernt auf einem Schüleraustausch wirklich außergewöhnlich.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH UND ALLES GUTE, MRS. BABSI!!! (so wird Frau Groß hier von allen genannt)

Aus diesem Grund gab es auch zwei kleine, aber besondere Highlights. Ein Geburtstagsständchen im Reisfeld – ganz traditionell – und eine Torte in der Schule. Alles Gute nochmals und ein riesen Dank, dass du bei uns bist!!!

 

 

 

 

Der heutige Tag war geprägt durch die lange Rückfahrt durch das Gebirge mit atemberaubenden Straßen, Schluchten und Ausblicken.

Zuvor hatten wir noch Gelegenheit, von Chris einige Dinge über die Mangroven zu lernen. Entscheidend hieran war aber die Erkenntnis, in kausalen Systemen zu denken. Ebenso wie das Ökosystem der Korallenriffe, stellen die Mangroven auch ein System dar, das empfindlich auf Eingriffe reagiert. Im Falle der Mangroven waren dies zum einen das massive Abholzen zur Holzproduktion (Mangrovenholz ist durch das langesame Wachstum äußerst wiederstandfähig) und zum anderen das flächendeckende Vernichten der Mangroven, da sich dort so viele Mücken befanden. Zum Glück hat man aber bereits in den 1980er Jahren den hohen Schutzbedarf im Nordwesten Balis erkannt und ein Reservat gegründet.

Zum Schluss noch eine wirklich tolle Geschichte, die nochmals die Gastfreundschaft hier auf Bali unterstreicht.

Ein Teil unserer Gruppe war in einem nahegelegenen anderen Resort untergebracht. Ich kenne dieses bereits vom letzten Austausch und habe mich schon damals an der überragenden Freundlichkeit erfreut. Heute Morgen, als wir unser Gepäck aus den Häusern räumten, kamen alle Mitarbeiter zu uns, um sich von uns zu verabschieden. Sie erinnerten uns daran, dass wir bitte genau kontrollieren, ob wir alles mitgenommen haben. Dies taten wir auch. Auf dem kleinen Fußmarsch zum Reef-Seen-Resort, wo der andere Teil der Gruppe wohnte, holte uns ein Motorrollerfahrer ein. Hupenderweise kam er näher, bis wir erkannten, dass es ein Mitarbeiter unseres Ressorts war. Er stoppte uns und fragte: „Are you missing something?“ Dabei hielt er eine Powerbank in die Höhe. Ben hatte sie doch übersehen und zurückgelassen. Wir sind Dankbar für diese großartige Aufmerksamkeit und tolle Gastfreundschaft.

Suksuma! – Danke! – das war Balinesisch

 

An der Schule angekommen, empfingen uns bereits die Gastfamilien, das Gepäck wurden verstaut und unsere Schülerinnen und Schüler kommen nun zum ersten Mal in den Familien an. Wir sind gespannt, was sie zu berichten haben. Davon werden wir hier bereits heute von Cheyenne (ganz herzlichen Dank, Cheyenne!) und in den nächsten Tagen lesen dürfen.

Morgen ist Familientag, als Gruppe werden wir uns am Montag wiedersehen. Mal sehen, was Frau Groß und ich morgen so erleben dürfen.

Ein schönes Wochenende an alle Leserinnen und Leser!

 

Der erste Abend in den Familien von Cheyenne Brünn

Nachdem wir heute dann an der Schule ankamen, wurden wir um 16.00 Uhr von den Eltern unserer Austauschschüler abgeholt. Ich persönlich kam nach einer fünfminütigen Autofahrt in dem Ort Dalung an. Nachdem mir nun das Haus gezeigt wurde und ich erklärt bekam, wie alles funktioniert und wo ich was finden kann, trafen wir uns im gemeinsamen Esszimmer für ein kleines Kennenlernen. Als mir dann ein weiteres Mal die unfassbar große Gastfreundschaft der Balinesen aufgezeigt wurde, wurden die Gastgeschenke übergeben. Es folgten viele herzliche Umarmungen und freudiges gemeinsames Lachen.

Bereits am Vortag hatten wir uns in der Gruppe geeinigt, am heutigen Abend gemeinsam Gelato Essen zu gehen. Gesagt, getan. Anschließend folgte eine kleine Tour durch einen kleinen Laden und dann machte sich jeder schon wieder auf seinen eigenen Weg.

So fuhren Kayla und ich beispielsweise nach Badung Regency, um dort in eine Mall zu gehen und uns den Strand bei Nacht anzusehen.

Ein erster Abend in den Familien geht zu Ende und wir sind gespannt auf morgen.

Sonntag, 28.08.2022

Sonntag ist ein Ruhetag - oder auch nicht?

Heute haben alle den Tag in den Familien verbracht und dabei ganz viele und unterschiedliche Aktivitäten durchgeführt, von denen wir heute neben den Erlebnissen von Frau Groß und mir auch von Svenja und Jula lesen werden.

Bevor wir davon berichten, möchte ich allerdings noch einige Videos der letzten Tage nachreichen, die unsere wunderschönen Erlebnisse in bewegten Bildern wiedergeben.

Von der Empfangszeremonie,

 

vom Reef-Gardening

 

und von der hervorragenden Stimmung im Bus von Pemuteran nach Untal-Untal.

 

Auf Bali gibt es viele Christen, so auch Kharisma und Dedit. Daher haben wir die beiden in den sonntäglichen Gottesdienst begleitet. Dieser unterscheidet sich zwar von der Liturgie kaum von unseren, stellte aber dennoch eine sehr schöne Erfahrung dar, da der enge Zusammenhalt in der Gemeinde sehr stark zum Ausdruck kam. Leider konnte der Gottesdienst nicht in der wirklich schönen Kirche stattfinden, da diese gerade saniert wird. Daher fand dieser im Gemeindehaus statt. Für alle, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können, wird dieser auf Youtube gestreamt.

Im Anschluss an den Gottesdienst aßen wir Babi Guleng (auf dem Drehspieß gegrilltes Schweinefleisch) und ruhten ein wenig beim Kaffee aus.

Am Nachmittag führen Kharisma, Dedit, Elis und wir auf die im Süden Balis gelegene Halbinsel zum Uluwatu-Tempel.

Dort konnten wir den Kecak-Tanz (Affentanz) bewundern. Ganz außergewöhnlich an dieser uralten balinesischen Aufführung ist die Darstellung der Szenerie durch etwa 50 Männer (traditionell sogarüber 70), die durch ihren hypnotischen Gesang und ihre Bewegungen einen „lebendigen Kreis“ bilden, in dessen Mitte die Hauptakteure die Handlung tanzen. Und als wenn das noch nicht genug wäre, findet das ganze vor der atemberaubenden Kulisse des Meeres bei Sonnenuntergang statt. Einfach perfekt!  

Kleine Anekdote am Rande: In dieser Tempelanlage leben sehr viele Affen. Und so sieht ein der niedlichen kleinen Kerlchen aus.

 

Und so sieht er aus, wenn man ihm in die Augen schaut – aufpassen und schnell den Auslöser drücken 😉

 

Der Tag endete im Sea-food-Restaurant, in dem der frische Fisch ausgewählt wird und erst dann nach seinen Wünschen zubereitet wird – lecker3.

Auch wenn dieser Tag voller Aktivitäten steckte, so haben wir ihn sehr genossen. Er fühlte sich an wie im Urlaub. Ganz lieben Dank an unsere Gastgeber!

Morgen starten wir den Tag mit dem am Montag traditionell stattfindenden Fahnenapell zum Gedenken an die blutig erkämpfte Unabhängigkeit Indonesiens. Auch Sport und Spiele, Musik und Naturwissenschaften stehen auf dem Programm.

Allen einen guten Start in die neue Woche – bleibt gesund und munter!

Nun aber zu den Beiträgen von Svenja und Jula.

 

Der Sonntag in meiner Familie – von Svenja Müller

Ich wurde mit einer unglaublichen Gastfreundschaft in meiner Gastfamilie aufgenommen. Sie sagten von Anfang an, dass ich ab jetzt zu ihrer Familie gehöre. Heute Morgen wurde ich mit einem typischen indonesischen Frühstück überrascht. Es gab gelben Reis „Nasi Kuning“ mit verschiedensten Toppings. Nach dem exzellenten Frühstück sind wir zum Affenwald gefahren. Die Affen sprangen von Baum zu Baum und es war gerade Nachwuchszeit, also waren dort sehr viele Babyaffen. Ich war begeistert und kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Das Highlight des Tages war heute eine Schaukel direkt am Abhang eines Berges. Zum Glück habe ich keine Höhenangst und konnte die traumhafte Aussicht genießen, während ich hoch über einem Fluss hin und her geschwungen bin. Zum Mittagessen haben mich meine Gasteltern zu einem Restaurant mitten in den Reisfeldern eingeladen. Es war ein hervorragender Ausblick und eine leckere „enak“ Mahlzeit. Nachmittags sind wir zur Küste gegangen und haben dort eine Fahrradtour entlang des Meeres gemacht. Wunderschön! Den Tag haben wir mit einem Abendessen und dem Sonnenuntergang am Strand ausklingen lassen. Und so geht ein überwältigender Tag voller neuer Erfahrungen und Erlebnissen zu Ende!

 

 

Sonntagserlebnisse – von Jula Steinfeld

Heute am Sonntag war der Familientag, jeder hat also etwas mit seiner Gastfamilie unternommen. Mit meiner Familie frühstückte ich um etwa 10 Uhr und danach sind wir los gefahren zu dem Wasserfall Tegenungan. Dort haben wir Alexa und Masya und auch Cheyenne und Kayla getroffen. Zusammen mit unseren Familien haben wir den Wasserfall bewundert und konnten auch im Wasserfall schwimmen gehen, was sehr beeindruckend war. Am Anfang des Wasserfalls war ein Privatclub in dem wir alle zusammen gegessen haben und auch nochmal in den Pool konnten zum Schwimmen. Gegen Nachmittag sind wir weitergefahren, es war eine sehr spannende Fahrt, zum einen, da mir dort schon viel über balinesische Kulturen erzählt wurde aber auch, da auf dem Weg sehr viel Verkehr war und der Vater mehr oder weniger Slalom um alle Autos gefahren ist, damit wir nicht zu spät ankommen. Schließlich kamen wir beim Uluwatu-Tempel an und genossen zusammen mit Cheyenne, Kayla, Nasya und Johanna die Aussicht und den Sonnenuntergang am Meer. Danach schauten wir eine Show namens Kecak dance mit balinesischen Tänzern an, welche eine traditionelle Vorführung getanzt haben. Danach trafen wir uns alle wieder bei KFC und haben nochmal alle zusammen gegessen. Nachdem trennten sich unsere Wege wieder und jeder fuhr zu sich nach Hause.

 

Montag, 29.08.2022

Sport und Spiele

Heute haben wir den Tag in der Schule verbracht und bei weitem nicht nur Sport getrieben und Spiele gespielt.

Der Tag begann wie jeden Montag mit einer militärischen Flaggenparade. Auch wenn es für uns Deutsche befremdlich wirkt, wenn junge Menschen im Gleichschritt gehen, ins Stillgestanden befohlen werden oder salutieren, so dürfen wir niemals den historischen Kontext vergessen.

In unserer Geschichte wurde die paramilitärische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen für den Transport einer Ideologie genutzt. Hier in Indonesien dient es weder zu Ausbildungszwecken noch zum Transport einer Ideologie. Diese Flaggenparade dient dem Gedenken an all diejenigen, die dafür gekämpft haben, sich von der japanischen Besetzung im zweiten Weltkrieg und der niederländischen Unterdrückung zu befreien. Zwischen 1945 und 1949 fand der indonesischen Unabhängigkeitskrieg statt, da die Niederlande nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wieder Ansprüche auf die frühere Kolonialherrschaft erhoben. Erst 1949 nach äußerst blutigen Kämpfen – die indonesische Arme war den Niederländern in Ausbildung und Technik weitaus überlegen – gelang es, die Unabhängigkeit auszurufen und die Souveränität zu deklarieren. Anders als in Deutschland hat hier die Armee für Freiheit, Unabhängigkeit und Frieden gekämpft, darauf ist man hier zurecht stolz, aber auch im Andenken an die vielen Gefallenen. Zu diesem Gedenken dient der allmontägliche Fahnenapell.

Die Zeremonie ist straff organisiert und endet nach dem Hissen der indonesischen Fahne mit dem Verlesen der Pancasila, den Grundpfeilern der Demokratie Indonesiens.

  1. Das Prinzip der All-Einen Göttlichen Herrschaft (Pflicht der Zugehörigkeit zu einer der fünf großen Weltreligionen) (Ketuhanan Yang Maha Esa)
  2. Humanismus/Internationalismus (Kemanusian / Internationalisme)
  3. Nationale Einheit (Persatuan Indonesia)
  4. Demokratie (Permusyawaratan/perwakilan)
  5. Soziale Gerechtigkeit (Keadilan Sosial)

Quelle: Wikipedia

Nach dem Fahnenapell konnten dann die Spiele beginnen – oder war es doch eher Sport? Es handelt sich bei den Aktivitäten tatsächlich um traditionelle Spiele mit sportlichem Wettkampfcharakter. Auch sind uns diese nicht unbekannt. Es handelt sich um Stelzen(wett)lauf und Gruppenskifahren. Doch gerade der Stelzenlauf erwies sich als besonders anspruchsvoll, da uns die Verwendung der Stelzen doch sehr unbekannt ist (Die Bilder geben eindeutigen Aufschluss).

Im Anschluss an diese sportliche Herausforderung bereiteten wir den Biounterricht vor, indem wir in einem nahegelegenen tropischen Wald unterschiedlichste Pflanzenbestandteile sammelten, um diese dann mit den von der Professor-Nowak-Stiftung gestifteten Mikroskopen auf Zellebene zu untersuchen. Der tropische Wald ist auf Grund seiner Fülle an Flora und Fauna einfach überwältigend! Auf unserem kleinen Hike haben wir zudem den Reisanbau, das Bewässerungssystem (Subak), die Primary-School mit wirklich fröhlichen Kindern und die Kirche der ersten christlichen Gemeinde auf Bali sehen dürfen.

Nach dem Lunch habe wir eine weitere Übungseinheit im Gamelan erhalten, damit wir das bei allen Einheimischen bekannte Stück bei der großen Abschiedsfeier auch richtig intonieren können. Auch hatten wir die Gelegenheit, unsere am Mittwoch begonnen Souvenirs zu beenden. Die sind richtig toll geworden – seht selbst.

Der Tag in der Schule hat allen sehr große Freude bereitet, wie man den Bildern entnehmen kann – und das Lernen kam bestimmt nicht zu kurz.

Morgen geht es in den Distrikt Kintamani, in dem auch der Vulkan Batur liegt, ein weiters Highlight, auf das sich alle freuen.

Auch heute gibt es wieder zwei Berichte von den Erlebnissen in den Familien: Diesmal von Alexa und Nicole zum heutigen Tag. Vielen Dank an euch beide und allen eine erholsame Nacht!  

 

Was ich nach der Schule tat – von Alexa Thurow

Da unser Schultag recht spät endete, wurden wir ca. um 16 Uhr von meinem Gastvater mit dem Auto abgeholt, sodass wir nur wenige Minuten später unser zu Hause erreicht hatten. Dort haben meine Partnerin und ich unseren Ausflug zum Strand geplant, den wir am Abend noch mit einigen anderen besuchen wollten, um dort eine schöne Zeit zu verbringen. Gegen 17 Uhr wurden wir erneut vom Vater mit dem Auto gebracht, wodurch ich viele neue Gegenden zusehen bekam, die ich zuvor noch nicht gesehen hatte. Da Feierabendverkehr angesagt war, hat die ganze Strecke ca. 40 Minuten lang gedauert, welche sich jedoch nicht so angefühlt hatte, da mir einiges über die Gegend erzählt und erklärt wurde. Als wir endlich den Strand erreicht hatten, waren Philip, Ben, Cheyenne, Riyu, Sastra und Aleksa bereits im Wasser, während andere am Strand saßen und sich dort unterhielten. Schließlich ging ich zu den anderen ins Meer, um an der Wasserschlacht teilnehmen zu können. Gegen 19 Uhr haben wir uns alle wieder aufgeteilt, so dass einige ins Restaurant zum Essen gegangen sind und die anderen wie ich, zurück nach Hause zum Abendessen gefahren sind. Meine Familie und ich hatten Tempe Tofu mit Suppe, welches sehr lecker war. Um uns für den morgen anstehenden Tag vorzubereiten, haben wir unsere Taschen gepackt und da wir beide etwas erschöpft vom heutigen Tag waren, bin ich früher als sonst ins Bett gegangen, um diesen wunderschönen Tag verarbeiten zu können und die neuen Eindrücke im Gedächtnis zu behalten.

 

Ein Montag auf Bali - von Nicole Babinsky

Heute früh gab es gebratene Toasts zum Frühstück, die entweder mit Marmelade oder einer Art Nutella gefüllt waren. Danach sind Ardine und ich zur Schule gefahren, wo wir alle kurz nach unserer Ankunft auch schon zum Schulhof gebeten wurden, um an der „Flag Ceremony“ teilzunehmen. Jeden Montag wird dieses Ritual an der Schule durchgeführt, um die Unabhängigkeit Indonesiens zu ehren. Für mich war es sehr interessant und gleichzeitig ziemlich befremdlich, zu sehen, andere Menschen meines Alters salutieren zu sehen. Nach dieser Zeremonie, haben wir uns alle umgezogen, um dann am dortigen Sportunterricht teilzunehmen. Wir haben ausprobiert, auf Stelzen zu laufen, was gar nicht so einfach war, wie es sich vielleicht anhören mag. Nach einem weiteren sportlichen Spiel, gab es eine kurze Pause, bevor wir uns dann auf den Weg gemacht haben, einige Pflanzen aus der Umgebung zu sammeln, die wir im Anschluss mit Mikroskopen untersucht haben.

Auch haben wir an unserer Gamelan Performance gearbeitet, die wir am Ende unseres Austausches vorführen werden. Und das erste Mal seit unserer Ankunft haben einige von uns selbst ausprobiert, zum Mittagessen nur mit Händen zu essen. Bei dem Hähnchen war das noch relativ einfach, aber spätestens beim Reis wurde es schwierig. Nach einer erneuten Gamelan Probe, haben wir dann die selbst gebastelten Souvenirs angemalt, die wir bereits im Voraus begonnen hatten. Damit war der Schultag gegen 16.00 Uhr auch schon vorbei, so dass Ardine und ich dann wieder zurück zum Haus ihrer Oma gefahren sind, bei der wir für den Zeitraum des Austauschs beide leben. Zirka eine halbe Stunde später haben wir uns auf den Weg zum Strand gemacht, wo wir uns mit den anderen treffen und einfach nur Zeit gemeinsam verbringen wollten. Während der Rückfahrt haben wir dann noch kurz bei einem kleinen Supermarkt angehalten, um für den nächsten Tag ein paar Snacks zu kaufen. Zum Abendessen gab es Spaghetti Aglio e Olio, die ein Freund von Ardines Cousin gekocht hat. Dazu gab es selbst gemachten traditionellen Zitronentee, der ein wenig bitter geschmeckt hatte, aber dennoch sehr lecker war.

Dienstag, 30.08.2022

Gunung Batur und Kintamani Geopark

Heute haben wir uns wirklich zu einem ganz besonderen Ort aufgemacht. Nach der Zusammenkunft in der Schule richteten wir unseren Weg in den Nordosten zum Kintamani-Distrikt, in welchem der Vulkanberg Batur liegt. Er ist neben dem Agung einer von zwei aktiven Schichtvulkanen auf Bali und mit 1717 Metern nur etwa zweidrittel so hoch wie der Agung. Grund für die geringere Höhe sind gewältige Eruptionen, bei denen der Vulkankegel abgesprengt wurden und eine große und eine kleinere Kaldera nach dem Einsturz der in der Tiefe liegenden Magmakammer übriggeblieben sind. Daher befinden sich in der äußeren, großen Kaldera auch ein Vulkansee eingebettet durch die äußere und innere Kaldera und der jüngste Vulkankraterberg. Letztmalig ist der Batur im Jahre 2000 mit einer Ascheeruption ausgebrochen. Im Kintamani Geopark konnten wir uns einen ersten Überblick über das Gebiet und die Entstehung dieses und der übrigen Vulkane des pazifischen Feuerrings verschaffen, der die Subduktionszone zwischen der indoaustralischen und der eurasischen Erdplatte darstellt. An dieser Stelle taucht die dichtere indopazifische Platte unter die eurasische. Dabei wird der Rand der eurasischen Platte aufgeschoben und bildet das indonesische Inselarchipel. Durch das Abtauchen der indoaustralischen Platte befindet sich im südlich gelegenen indischen Ozean ein Tiefseegraben.

Aber an dieser Stelle nun genug zur grauen Theorie, morgen früh werden wir um 2.00 Uhr aufbrechen, um den Gipfel des Batur pünktlich zum Sonnenaufgang erreicht zu haben.

Unsere Bleibe heute und morgen Nacht ist ein Traum. Glamping mit Blick auf den Batur und den Kalderasee. Wir nutzten den Nachmittag zur Erholung und zum Völkerballspielen, damit wir heute Nacht munter und fit starten können. Am Abend gab es noch ein kleines Lagerfeuer und Sastra hat die Gitarre herausgeholt – was für eine tolle Stimmung!

Morgen wird es dann aufregende Bilder vom Krater und den drunter befindlichen heißen Quellen geben. Wir sind alle so gespannt.

Gute N8!

Mittwoch, 31.08.2022

Gipfelstürmer!?

Der Wecker klingelt mitten in der Nacht, es ist 2.00 Uhr und jeder normale Mensch würde sich noch einmal genüsslich umdrehen und die Augen schließen. Doch nicht wir, wir nicht heute. Jeder von uns ist gespannt auf das, was uns heute bevorsteht. Wir werden den Vulkan Batur besteigen und pünktlich zum Sonnenaufgang am Gipfel sein, wenn wir es schaffen. Schnell noch eine Banane „zum Frühstück“ und los geht es. Leider sind wir heute nicht komplett, da Frau Groß bei Philip bleibt, da es ihm nicht ganz so gut geht. Vor uns liegt noch eine halbstündige Autofahrt und in dieser Region fühlt es sich wirklich so an wie in der Achterbahn. Die Türen unserer Busse offen sich und wir werden mitten in der Dunkelheit ausgespuckt, müde, aufgeregt, orientierungslos. Männer mit Taschenlampen kommen auf uns zu und nehmen uns in Empfang, es sind unsere Guides und sie führen uns zu einem kleinen Gehöft, wo wir mit Wanderstöcken und Taschenlampen ausgestattet werden.

Die Tour beginnt, nachdem wir in Vierergruppen aufgeteilt wurden. Zunächst verläuft der Weg sanft ansteigend durch Felder, auf denen Zwiebeln angebaut werden – der Gemüseanbau ist hier durch das nährstoffreiche Lavagestein möglich. Dann steigt das Gelände an und weit entfernt in großer Höhe können wir bereits Lichter ausmachen. Sie strahlen vom Gipfel her, denn wie sich später herausstellen soll, sind wir heute Nacht nicht die einzigen Schlaflosen, die sich auf den Weg zum Gipfel aufgemacht haben, an dessen Spitze kleine Wellblechhütten stehen, in denen sich Einheimische auf den Touristenansturm mit heißen Getränken, Brot, Snacks und anderen Dingen vorbereiten. Der Anstieg gewinnt sehr schnell an Steilheit und mehr und mehr Menschen gesellen sich zu uns auf den Weg. Eine erste Pause wird nach etwa einer halben Stunde eingelegt, von denen noch viele folgen sollen. Noch fühlen sich alle hoch motiviert und man spricht ausgelassen miteinander – auch das soll sich in den nächsten eineinhalb Stunden ändern, denn für die 3,5 Kilometer und 700 Höhenmetern wird uns für den Moment alles an Reserven abverlangt, was wir aufbieten können. Die Steilheit nimmt nochmals zu und der Untergrund wechselt zu losem Bimsstein. Ein Schritt vor, einen halben zurück, wir bewegen uns vorwärts wie Raupen im losen Sand. Dann wieder Geröll und Felsen und im Schein der Taschenlampen erahnen wir, wohin wir unsere nächsten Schritte setzen müssen. Die Abstände zwischen den Pausen werden kürzer, die Pausen länger. Doch irgendwann sind die von unten noch so weit entfernten Lichter ganz nahe und am Horizont zeigt sich ein ganz leichter, orangener Schimmer. Wir sind endlich am Gipfel und finden einen herrlichen Platz, um dem, was jetzt geschieht, folgen zu können – der Sonnenaufgang. Unzählige Bilder entstehen, die nur einen Bruchteil von der Schönheit des Morgens wiedergeben können.

Langsam zeichnen sich erste Umrisse der umliegenden Kaldera ab, einzelne Dorfer und der Kalderasee kommen zum Vorschein. Die Sterne am Himmel der Südhalbkugel verlieren so langsam ihren Glanz und entschwinden in der zunehmenden Dämmerung des anbrechenden Tages. „Dunkel kann es nicht mehr halten, hinter Wolken dämmert Morgen“, diese Textzeile eines alten Fahrtenliedes spiegelt genau das wider, was wir gerade zu sehen bekommen. Die Welt erwacht und wir sind live dabei, ganz oben, über den Wolken. Ein wirklich überwältigender Moment für alle – Gänsehaut und dem ein oder anderen könnte sogar ein Tränchen der Ergriffenheit über die Wangen gerollt sein. Die Dunkelheit weicht weiter und in der sich ausbreitenden Klarheit des anbrechenden Tages erblicken wir im Südosten den mächtigen Agung, der unseren Standpunkt noch überragt. Heißer Tee, Obst und Toast wird uns gereicht, diese Stärkung haben wir uns wirklich verdient.

Nach unzähligen Gruppenfotos, Selfies und einfach noch genussvollen Momenten treten wir den Abstieg an, der zwar weniger anstrengend, doch trotz der Helligkeit keineswegs weniger anspruchsvoll sein soll. Wasserdampf tritt aus immernoch heißen Bereichen des Berges hervor.

Rutschend oder vorsichtig zum nächsten Felsen springend steigen wir hinab und an einer Stelle wird es mir dann klar. Wenn Casper David Friedrich die Möglichkeit gehabt hätte, er hätte seinen „Wanderer“ genau hier gemalt – der kleine Mensch vor der gewaltigen Natur als Zeuge der Szenerie.

Quelle des Gemäldes: 

https://www.geo.de/magazine/geo-epoche-edition/20083-rtkl-deutsche-romantik-caspar-david-friedrich-die-landschaft-der

Zügig verlieren wir an Höhe und wir können unterschiedliche Arten von Lavagestein identifizieren. Sehr dichte Felsbrocken und äußerst poröse Bimssteine, die je nach Zustand, Ausgangsmaterial und Gasgehalt mal rot und mal schwarz gefärbt sind. Es wird sehr lange dauern, bis hieraus fruchtbarer Boden wird (die auf den gestrigen Bildern zu sehenden schwarzen Felder unterhalb des Batur stammen von einem Ausbruch in der 1960ern und ganz vereinzelt wachsen nun Kiefern auf diesen als hochwachsende Pioniere.

Bei den Autos angekommen sind wir alle in freudiger Erwartung auf das zweite Frühstück bei unserem Glampingplatz, welches mittlerweile auch als Basislager bezeichnet werden könnte. Alle sind glücklich über den Erfolg des Aufstiegs und die gesehene Schönheit des Morgens. Nach dem Frühstück kehrt Ruhe ein. Alle holen ein wenig Schlaf nach und ruhen sich aus.

Auch der Rest des Tages dient hierzu und so fahren wir nach dem Mittag zu einer heißen Quelle und legen unsere geschundenen Knochen in das körperwarme Wasser. Das hilft und die morgendlichen Strapazen sind bald vergessen. Haben die Römer wirklich das Caldarium erfunden?

Der Abend endet beim Barbecue und einer Reflexionsrunde zu den in den letzten beiden Tagen gemachten Erfahrungen.

Alle gehen heute früh ins Bett, nur ein einzelner Blogschreiber sitzt noch am Lagerfeuer (hier ist es abends recht frisch), tippt diese letzten Zeilen und freut sich darüber, dass bereits üner 500 Besucher diesen Blog gelesen haben, vielen Dank an alle fleißigen Leser – schaffen wir auch die Tausendermarke?

Morgen verlassen wir diesen besonderen Ort und fahren zurück in die Familien. Am Freitag steht dann der Besuch der Harapanstiftung in Denpasar und einiges mehr auf dem Programm.

Allen eine geruhsame Nacht!

Donnerstag, 01.09.2022

Tirta Empul und Tampaksiring

Heute macht der Main-Blogger eine kleine Pause, da Ben Voß und Philip Monsees heute sehr gelungenen Texte über die Erlebnisse des Tages geschrieben haben. Vielen Dank dafür.

Hier nun der Bericht von Ben.

Nachdem wir unsere Sachen gepackt haben und aus unserer Unterkunft der letzten Tage ausgecheckt sind, haben wir uns auf den Weg zum Tirta Empul gemacht. Dies ist ein hinduistischer Wassertempel, der übersetzt Heilige Quellen heißt. Er befindet sich in der Nähe des Ortes Tampaksiring.

Aus dem Bus ausgestiegen wurden wir von einem riesigen und schön hergerichteten Grundstück voller Pflanzen und Tempelbauten überrascht. Vor dem Einlass in den Tempel musste jeder von uns einen Sarong anziehen. Das ist ein bunter indonesischer Rock, den man sich um die Hüfte bindet. Der Grund dafür ist der Respekt und die Höflichkeit, aber vor allem die vorgeschriebene Tradition des Hinduismus bei Tempelbesuchen. Im Tempel angekommen hatten wir nun die Chance das traditionelle Melukat-Ritual mitzumachen. Bei diesem Ritual möchte man seinen Körper und Geist reinigen sowie seine Seele erfrischen und von jeglicher negativen Energie befreien. Zudem soll es auch nicht medizinische Krankheiten heilen. Das Ritual kann man durchführen, egal welcher Religion man angehört oder an welchen Gott man glaubt.

Das Ritual begann bereits bevor wir überhaupt das Wasser betreten haben, denn zuerst mussten wir im inneren Tempelhof beten, damit wir unseren Geist befreien und uns selbst auf Gott und die Natur fokussieren.

Danach ging es in den zentralen Tempelhof. Er besteht aus zwei Pools, die mit heiligem Wasser befüllt sind, dessen Quelle der Pakerisan-Fluss östlich des Tempels ist.

Dort haben wir sehr viele Leute gesehen, die vor allem indonesisch waren. Es herrschte ziemlich viel Lärm. Das Wasser hat sich zuerst ziemlich kalt angefühlt, aber es wurde immer angenehmer. Wir haben es auf etwa 15 Grad Celsius geschätzt. Nun ging das Ritual weiter, denn es gab insgesamt 22 heilige Quellen. Davon durften wir 14 benutzen, denn von den anderen acht waren zwei dafür da, Flüche zu brechen, und sechs nur für Hindus vorbestimmt. Kurz bevor wir zu den Quellen kamen, haben uns unsere balinesischen Freunde nun noch mal genau erklärt, was wir machen müssen.

Zuerst haben wir uns dreimal das Gesicht gewaschen, dreimal Wasser aus dem Mund ausspucken und dreimal das Wasser trinken. Als letztes hat man sich die Haare gewaschen und dabei Gott gedankt. Bei der letzten Quelle hat man sich zum Schluss noch etwas gewünscht.

Ich muss gestehen, während des Rituals habe ich mich wirklich fokussiert und sehr entspannt gefühlt. Den Lärm der Menschenmasse habe ich komplett ausgeblendet. Hätte ich die Möglichkeit das Ritual zu wiederholen, würde ich es jederzeit machen. Selbst jetzt spüre ich es noch. Ich bin wirklich froh, diese Chance genutzt zu haben.

 

Und hier auch der Erfahrungsbericht von Philip Monsees

Heute ist der 1. September 2022 und wir begannen diesen Tag mit dem Besuch eines Hinduistischen Tempels. Um diesen Tempel überhaupt betreten zu können, mussten wir unseren Unterkörper mit einem Sarong bedecken.

Im Tempel angelangt war ich überwältigt von der Natur und dem Tempel selbst. Es war eine große Anlage mit vielen offenen Gebäuden und 3 Becken mit heiligem Quellwasser.

Wir konnten, obwohl wir selbst keine Hindu sind, an einer wirklich einzigartigen Zeremonie teilnehmen. Diese war freiwillig und sieben von uns (vier Deutsche und drei unserer Austauschpartner) haben sich dazu entschieden teilzunehmen. Der Sinn der Zeremonie ist, seinen Körper und seine Seele zu reinigen. Wir und alle, die nicht an der Zeremonie teilnahmen, haben zudem auch noch einige allgemeine Informationen von einem Tempelführer erhalten, derauch Teile der Zeremonie gezeigt hat.

Da Riyu (einer unserer Austauschpartner) schon einmal diese Zeremonie durchgeführt hat, war er derjenige, der uns alles gezeigt hat. Man startet im 1. Becken und stellt sich in einer Reihe auf. An Der Wand sind Vorrichtungen aus denen das heilige Wasser kommt. Wenn man vor diesen Vorrichtungen steht, fängt man an mit einem Gebet, dies ist ganz simpel. Man sagt einfach dreimal „Um“ in seinen Gedanken. Dann wäscht man sich dreimal das Gesicht, spuckt dreimal das Wasser aus, trinkt es dreimal und zum Schluss hält man seinen Kopf unter den Wasserstrahl. Das Ganze macht man dann an mehreren Stationen und bei der letzten darf man noch einen Wünsch äußern. Was mir bei dem Alledem aufgefallen ist, dass es, wenn man wirklich in seinen Inneren war, alles um einen still wurde, obwohl es in Wirklichkeit sehr laut war.

Mein Fazit: Ich bin sehr dankbar, dass ich heute diesen Tempel besucht habe und ich habe mir vorgenommen, wenn ich nochmal hier sein sollte, werden ich wieder an der Zeremonie teilnehmen.

Morgen besuchen wir die Berufsschule der Harapan-Stiftung, auf die auch schon einige unserer balinesischen Gastschüler gehen (sie sind auf Grund von der coronabedingten Pause einfach aus der Junior-Highschool herausgewachsen). Auch der Besuch des Hauptsitzes der Harapan-Stiftung in Denpasar und Souvenirs-Schoppen steht auf dem Programm.

See you tomorrow!

Freitag, 02.09.2022

Es geht um die Bildung!

Und um die Bildung ging es am heutigen Tage in der Tat. Bildung ist ein Prozess, der sich vom frühesten Kindesalter bis zum Ende der Schulzeit oder des Studiums erstreckt. Bei manchen Menschen dauert dieser Prozess sogar ein Leben lang. Man spricht dann wohl vom lebenslangen Lernen.

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der unterschiedlichsten Bildungsformen, die sich unter dem Dach der christlichen Harapan-Stiftung befinden. Diese Stiftung untersteht direkt dem zuständigen Bischof und hat auf Bali gleich mehrere Schulstandorte privater/christlicher Trägerschaft. Eine dieser Schulen ist unsere Austauschschule in Untal-Untal im Distrikt Badung. Diese Schule ist eine Junior-Highschool und beschult etwa 600 Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse.

Heute hatten wir die Gelegenheit auch weitere Schulen der Harapan-Stiftung zu besuchen. Eine dieser Schulen ist eine Berufsschule und befindet sich unweit unserer Partnerschule. Auf Grund der coronabedingten Zwangspause für unseren Austausch gehen bereits einige unserer Partnerschüler, die vor zwei Jahren für das Projekt ausgewählt wurden, auf diese Schule.

Bei unserer Ankunft in der Berufsschule wurden wir mit allen Ehren empfangen. Die Schulleitung stand Spalier, jeder bekam eine Frangipaniblüte in das Haar gesteckt und die balinesischen Tänzerinnen tanzten für uns, was ein wirklich sehr großes Geschenk ist, denn allein das Zurechtmachen der Haare und der Schminke nimmt mehrere Stunden in Anspruch.

Das Berufsbildungssystem hier auf Bali unterscheidet sich dahingehend, dass die Schülerinnen und Schüler in der Schule in allen praktischen Dingen ausgebildet werden. So finden sich in der Schule neben gut ausgestatteten Computerräumen für IT- und Medienberufe auch mehrere Küchen, eine Wäscherei, mehrere Hotelzimmer samt Lobby und Rezeption und natürlich ein Speisesaal. Die Schülerinnen und Schüler lernen also ihr Handwerkszeug zunächst „von der Pike auf“ direkt in der Schule, bevor sie in einen echten Betrieb, z. B. eine Wäscherei oder einen Hotel- oder Gastronomiebetrieb, gehen. Das ist ein deutlicher Unterschied zu unserem deutschen dualen Ausbildungssystem, in dem der theoretische Teil in der Schule stattfindet und die Praxis von Beginn an in einem Betrieb.

Wir sind unglaublich gastfreundlich aufgenommen worden. Die Führung durch die Schule endete in einem vollausgestatteten Übungsrestaurant, in dem uns die angehenden Köche ihre Speisen kredenzten. Nach dem Speisen sind wir zum Tanz eingeladen und reichlich beschenkt worden.

Unsere nächste Station war die Schule in Denpasar, in der vom Kindergarten bis zur Senior-Highschool und Berufsschule etwa 5000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Mit ihren wunderschön bewachsenen Fassaden und einer eigenen Kirche macht sie wirklich einen großartigen Eindruck. Auch auf diese Schule gehen bereits einige unserer Austauschschüler, die uns dann auch in ihren Klassen vorgestellt haben.

An diesem Standort befindet sich auch der Sitz der Harapan-Stiftung, die unser Projekt finanziell stark unterstützt und bereit ist, dieses Austauschprojekt für die nächsten Jahre festzuschreiben. Die notwendigen Verträge werden wir am Montag im feierlichen Rahmen unserer großen Verabschiedungszeremonie unterzeichnen – einfach grandios!

Auch bei diesem Besuch wurden uns alle Ehren zu Teil und es ergab sich die Gelegenheit, dem Vorsitzenden der Harapan-Stiftung unseren großen Dank auszusprechen und ein Gastgeschenk zu überreichen.

Ich habe mich heute sehr darüber gefreut, viele wunderbare Menschen und Kollegen kennenzulernen, die ihren Beruf mindestens genauso lieben wie wir. Ganz besonders habe ich mich über das Wiedersehen mit Abed gefreut, der vor drei Jahren bei unserem ersten Austausch teilgenommen hat und mittlerweile Vorsitzender der Schülerschaft an dieser Schule ist – so schön!

Nach unseren Schulexkursionen haben wir den Tag beim Souvenirs-Schoppen ausklingen lassen. Was dabei alles eingekauft wurde, bleibt natürlich noch ein Geheimnis. Aber so viel sei gesagt, dieser Laden übertrifft unsere Vorstellungen. Eine Verkaufsfläche wie bei Ikea und es gibt dort nichts, was es nicht gibt, und garantiert von Bali oder aus Indonesien.

Morgen verlegen wir ein letztes Mal unseren Aufenthaltsort für eine Nacht mitten in das Herz Balis, in das traditionelle Dorf Rumah Desa, wo wir das traditionelle balinesische Leben kennenlernen werden. Bei dem Gedanken daran, dass es unsere letzte große Aktivität ist, ist heute bereits bei uns allen Wehmut aufgekommen, denn wir fühlen uns wirklich an- und aufgenommen als Teile unserer balinesischen Gastfamilien. Vielen Dank für diese gelebte Nächstenliebe!

Man sieht, äh, liest sich!

Samstag, 03.09.2022

Rumah Desa - Leben im traditionellen Dorf

Wer glaubt, dass das Leben auf dem Land langweilig oder eintönig ist, der irrt sich gewaltig.

Heute führte unser Weg nach Rumah Desa, ein Dorf Mitten im Herzen Balis umgeben von Reisfeldern in idyllischer Lage. Rumah Desa heißt übersetzt „Haus in einem Dorf“ und genau das wird hier in allen Details gezeigt. Angefangen vom Aufbau der gesamten Hausanlage, zu der viele kleine Gebäude gehören. Hierzu zählen natürlich ein Tempel, Wohnstätten, Lager für Reis und das „Reproduktion House“. Jeder mag sich selbst sein Urteil über die Funktion dieses Gebäudes machen, aber so viel sei gesagt: dort gibt es kein Fernsehen, kein Internet, keine Büche – nur ein Bett.

Darüber hinaus haben wir heute Einblicke in die balinesische Schrift und Sprache erhalten, den Reisacker bereitet und Reispflanzen gesetzt, Kokosnüsse geöffnet, Kokosraspel gemacht, um aus diesen das wertvolle Kokosöl heraus zu koch. Wir haben gesehen, wie balinesisches Essen und Medizin zubereitet wird – die Verfahren unterscheiden sich gar nicht zu weit voneinander. Auch die Vorberietung der täglichen Opfergaben stand auf der Agenda.

Das wirklich außergewöhnliche zum modernen Leben in den Städten ist jedoch, dass die traditionellen Hausgemeinschaften die komplette Familie angefangen von den (UR-) Großeltern bis hin zu allen (Ur-) Enkeln umfasst. In dieser Hausgemeinschaft leben zurzeit 39 Menschen (natürlich nicht immer, da auch hier der Wandel in der Gesellschaft nicht vorübergegangen ist und somit einige auch Wohnstätten in der Stadt haben). Die Anlage ist so groß und weitläufig, dass sie die gesamte Hausgemeinschaft ernähren kann. Es gibt Bananenbäume, Kakaopflanzen, verschiedenste Fruchtarten, Kokospalmen und natürlich auch einige Reisfelder, auf denen drei Ernten im Jahr eingebracht werden können – pro Feld wohlgemerkt. Möglich wird dieses durch das ausgeklügelte Bewässerungssystem (Subak), welches von den Wasserspeichern der Vulkanseen gespeist wird, und natürlich das tropische Klima.

Ein großes Highlight des Tages war das einüben eines balinesischen Tanzes begleitet von Gamelan-Musik. Eine überaus anspruchsvolle Tätigkeit, bei der Körperbeherrschung, Konzentration und Fokussierung die entscheidenden Faktoren sind. Und genau das haben wir über den Hinduismus gelernt: Es gibt Tätigkeiten, die man in völliger Fokussierung und Loslösung der Umgebung ausübt. Das können Bewegungsübungen, Schreib- oder Handarbeitstätigkeiten, das Vorbereiten der Opfergaben und vieles mehr sein – all das fällt dann unter den Begriff des Yoga.

Aber nun genug der vielen Worte. All das in Worte zu fassen, was wir heute erlebt und an dem wir teilgenommen haben, würde jeden Rahmen sprengen. Daher gibt es heute viele Bilder und Videos zum Genießen.

Morgen werden unsere Händlerqualitäten auf einem traditionellen Markt gefragt sein, denn das Handeln gehört zum Einkauf dazu, wenn wir die Zutaten für unser Lunch besorgen und dieses auch selbst zubereiten werden.

Auf gute Geschäfte!

Sonntag, 04.09.2022

Rumah Desa - vom Feld auf den Tisch

Heute begrüßte uns wieder einmal ein herrlicher Morgen. Die Stimmung im nächtlichen Matratzenlager war prächtig. Einzig Jula, Cheyenne und Nicole fühlten sich heute nicht ganz so gut und daher traten sie ein Schritt kürzer und ruhten sich viel aus. Die vielen Eindrücke und Erfahrungen wollen auch erst einmal alle verarbeitet werden. Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus!

Wir verließen Rumah Desa, um auf einem nahegelegenen Markt all die Zutaten zu besorgen, die wir für die Zubereitung unseres gemeinsamen Mittagessens benötigten. Die Gruppe wurde in zwei Teile aufgeteilt und im Nu waren alle Zutaten unter Heraushandeln des besten Preises besorgt, denn das Handeln ist hier ein sozial-kommunikativer Prozess, der zu jedem Geschäft dazugehört. Der Besuch eines traditionellen Marktes ist wirklich eine besondere Erfahrung für alle Sinne – so viel zu sehen, so viele Gerüche – wirklich außergewöhnlich.

Zurück in Rumah Desa ging es gleich unter fachkundiger Anleitung an die Zubereitung. Es wurden Beilagen, Sate-Spieße und andere Fleischkreationen gezaubert. Und natürlich durfte der Reis auch nicht fehlen, schließlich durften wir gestern ja beim Anpflanzen selbst aktiv sein. Zum Lunch durften wir dann unser Werk kosten und alle waren sich einig, dass es ausgesprochen gelungen ist.

Leider endetet hiermit auch schon wieder die schöne Zeit in Rumah Desa, wo wir so herzlich empfangen und in die Gemeinschaft integriert wurden. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Besuch in Rumah Desa ein grandioses Finale unseres Aufenthaltes auf Bali dargestellt hat, denn den dort konnten wir sehr viele zuvor schon kennengelernte Besonderheiten des balinesischen Lebens ganz aktiv miterleben. Ein wirklich wunderbarer Abschluss einer wunderbaren Zeit mit einer Gruppe, die unfassbar schnell zueinander gefunden hat und Altersunterschiede Religion oder Herkunft niemals eine Rolle gespielt haben. Kharisma und Elis, unsere balinesischen Kolleginnen, haben mit ihrem Programm eine Choreographie geschaffen, die einfach alle in ihren Bann gezogen hat – perfekt!

Auch wenn die Zeit in Rumah Desa zu Ende ging, so war der Tag noch jung und wir sollten noch einige weitere großartige Besonderheiten Balis kennenlernen. Ein wirklich beeindruckendes Heiligtum suchten wir unweit von Rumah Desa auf. Ein riesiger Eukalyptusbaum, mitten in einem Dorf, als Überbleibsel des ursprünglichen Tropenwaldes, der der wachsenden Bevölkerung und dem damit verbundenen Reisanbau weichen musste. Aus Dankbarkeit für dieses Monument der Natur verehren die Hinduisten diesen Baum. Übermächtig steht er da, die Brettwurzel breit und standfest auf dem Boden gegründet. Diese Wurzelform ist sehr typisch für die Bäume der Tropen, da sie durch den rasanten Umsatz von Biomasse in der Tiefe kaum Nährstoffe finden. Daher wurzeln sie flach und breit.

Nach kurzer Weiterfahrt dann doch ein eher trauriger, aber dennoch sehr denkwürdiger Ort, an dem der gefallen Soldaten des Unabhängigkeitskrieges (1945-1949) gedacht wird. Neben einem großen Denkmal für den Anführer der balinesischen Soldaten wurden im Perjuangan Margarana Monument auch alle Soldaten namentlich auf Gedenksteinen verewigt. Ein wirklich beeindruckender Ort dessen Wirkung tief unter die Haut geht.

Unser letzter Stopp an diesem Tag führte uns nach Jatiluwih zum einem Weltnaturerbe der UNESCO, denn Bali ist nicht nur für seinen Reisanbau bekannt, sondern die Perfektion des Terrassenanbaus und die ausgeklügelte Bewässerungstechnik sind überaus bemerkenswert. Jede Terrasse, jedes Feld kann durch Graben- und Kanalsysteme je nach Bedarf bewässert werden. Das ist Effektiv, nutzt die vorhandenen Ressourcen optimal aus und schont diese dabei, da ein verschwenderischer Umgang vermieden wird. Jeder Reisanbauer hat ein Anrecht auf eine ausreichende Bewässerung, so dass er für seinen Lebensunterhalt und für den seiner Familie sorgen kann. Ein Beispiel für echte Nachhaltigkeit!

Unser Tag endetet in der Dunkelheit und niemand kann eine gewisse Erschöpfung leugnen. Das ist auch aber überhaupt nicht negativ gemeint, da wir in den vergangenen zwei Wochen unglaublich viel erleben, erfahren, begreifen, erfühlen und erschmecken durften. Wir sind angefüllt von der Herzlichkeit der Menschen und zutiefst dankbar für jeden einzelnen Augenblick.

Morgen heißt es ein letztes Mal die Koffer packen, denn wir müssen uns leider schon wieder verabschieden. Gern wären wir noch geblieben und nur die Aussicht auf das baldige Wiedersehen unserer balinesischen Freunde beim Gegenbesuch in Deutschland tröstet uns. Aber bevor wir gehen, werden wir noch mit höchsten Ehren verabschiedet werden, allein der Anblick des riesigen Festzeltes, welches in unserer Abwesenheit über das Wochenende auf dem Schulhof unserer Partnerschule aufgebaut wurde, lässt uns ehrfürchtig staunen. Das wird bestimmt ein großes Fest zu unseren Ehren.

Mögen die Festivitäten beginnen!     

Montag, 05.09.2022

Auf Wiedersehen!

Dass dieser Tag, an dem man Abschied nehmen muss, einmal kommen wird, war uns allen von Anfang an bewusst. Dass er dann doch gefühlt so schnell da ist, das hat uns dann doch überrascht.

Wir sind nun bereits 14 Tage hier und die Zeit verging unfassbar schnell, trotz der vielen Aktivitäten und Erlebnisse oder gerade wegen dieser? Diese Frage wird wohl auf ewig ungeklärt bleiben, was aber auch völlig egal ist. Die vergangenen 14 Tage haben etwas mit uns gemacht, mit jedem von uns persönlich, denn wir sind so sehr beschenkt, bereichert und begeistert worden, dass man dies kaum in Worte fassen kann. Gerne wollen wir davon in unseren Familien oder bei unseren Freunden berichten und ein Stück von dem abgeben, was uns geschenkt wurde.

Die heutige Abschiedszeremonie zu unseren Ehren spiegelte noch einmal die riesige Gastfreundschaft, die offenherzige Aufnahme und Fürsorge in den Familien und das hervorragend ausgearbeitete Programm, welches uns so viele Facetten Balis gezeigt hat und uns am Leben partizipieren ließ, wieder. Aber diese Zeremonie zeigte auch die sehr hohe Wichtigkeit für unsere Partnerschule, für die zugehörige Harapan-Stiftung und die gesamte Region. Daher waren auch der Bildungsminister der Region Badung, der Bischof der christlich-protestantischen Kirche, die Vorsitzenden der Harapan-Stiftung und viele weitere Ehrengäste geladen.

Es wurden Reden gehalten, die immer wieder zum Ausdruck brachten, dass wir die momentanen und zukünftigen Probleme in der Welt nur im Dialog angehen können. Dazu bedarf es des Austausches und der Kenntnis über kulturelle und ökologische Besonderheiten – und genau damit haben wir (vielleicht ein bisschen wie Chris Brown mit den Schildkröten) im Kleinen begonnen. Wir sind gespannt, was sich hieraus entwickelt.

Aber nicht nur Reden wurden auf dem Abschiedsfest gehalten. Bunte Tanz- und Musikeinlagen lockerten das Programm auf und auch wir hatten unseren Auftritt beim Gamelan-Spielen und Halten unserer Dankesreden. Denn unsere Dankbarkeit für jeden erlebten Moment ist grenzenlos – Thank you so much, Dankeschön, Terima Kasih, Suksuma!!!

Ein ganz wichtiger Bereich soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben und das ist die Fortführung dieses großartigen Austauschprogramms. Es freut mich zu berichten, dass alle beteiligten Parteien heute eine Vereinbarung unterzeichnet haben, die die Fortführung des Austausches um weitere 4 Jahre sichert. Darüber hinaus wird auf Seiten der Harapan-Schulen die Teilnahme von Schülern der Berufsschule und der Senior-Highschool ermöglicht, sofern diese zuvor die SMPK2 Harapan Junior-Highschool besucht haben.

Nach der Zeremonie gab es ein reichliches Mahl und es war noch ein wenig Zeit, Gespräche mit den Gasteltern zu führen oder die unzähligen Abschiedsgeschenke in den Koffern zu verstauen.

Ganz besonders habe ich mich gefreut, dass die Austauschgruppe aus dem Jahr 2019 vollzählig an der Zeremonie teilgenommen hat – Es war so schön, euch wiederzusehen! Alles Gute weiterhin für euch!

Dann ging es los zum Flughafen, wo noch einmal alle Eltern, Schüler, der Schulleiter, Kharisma und Elis zu einem letzten Abschiedsfoto zusammenkamen. Der Abschied war dann sehr ergreifend und rührend. Auch wenn wir unsere Austauschpartner in zwei Wochen bei uns begrüßen dürfen, der Abschied von dieser wundervollen Insel, der Abschied von den Freunden, der Abschied von den Familien und der Abschied von dieser wunderschönen Zeit ist an niemandem spurlos vorübergegangen.

Mittlerweile befinden wir uns bereits kurz vor der Landung in Dubai Es ist bereits Dienstag, der 6.9.2022. Alle haben ein wenig geschlafen und sind zu Ruhe gekommen. Einige von uns sind sehr erschöpft, aber dennoch überglücklich über das Erlebte.

Sobald wir wieder zu Hause angekommen sind, wird es noch einen letzten kleinen Blogeintrag geben.

Also, auf zur letzten Etappe!      

Dienstag, 06.09.2022

Angekommen!

Wir sind wieder zu Hause! Von Dubai aus war es dann nur noch ein Katzensprung bis zurück nach Hamburg. Wir sind alle glücklich, unsere Lieben in die Arme zuschließen, von dem Erlebten zu erzählen und auszuruhen.

Alle sind wohlbehalten zurückgekehrt, niemand hat sich ernsthaft verletzt oder ist schlimm erkrankt. Das ist die Hauptsache und macht uns Lehrer sehr sehr glücklich. Wir sind sehr dankbar dafür, dass die Eltern uns ihre Kinder anvertraut haben und freuen uns über so unglaublich viele Erlebnisse.

Vielen Dank an alle, die zum Erfolg unseres Besuches auf Bali mitgewirkt haben. Insbesondere an Professor Dr. Claus Nowak und Frau Christa Limmer von der Professor-Nowak-Stiftung, an unsere Schulleitung, die Frau Groß und mir diese Fahrt zugetraut haben und in allen Belangen unterstützt haben, an unsere Kolleginnen und Kollegen, die in unserer Abwesenheit unsere Klassen betreut haben, an die Eltern unserer Austauschüler und nicht zuletzt an Herrn Bürgermeister Schmedtje, der sich im besonderen Maße für den in zwei Wochen beginnenden Gegenbesuch eingesetzt hat.

Schließlich möchte ich mich bei allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs für das sehr große Interesse an unseren Aktivitäten auf Bali bedanken. Fast 800mal ist dieser Blog in den vergangenen zwei Wochen besucht worden – ganz lieben Dank dafür. Es hat mir immer viel Freude bereitet von den Tageshighlights zu berichten. Dadurch ist auch mir das Erlebte noch einmal nähergekommen und diese Eindrücke habe ich gerne geteilt.

Nun bleibt mir nur, noch diesen Blog zu schließen und mich auf das nächste „Adventure Abroad“ zu freuen. Aber zuvor freuen wir uns auf ein baldiges Wiedersehen mit unseren Freunden beim Gegenbesuch!

Selamat tinggal – Auf Wiedersehen!